Lostener Wald – Licht und Schatten

Zum Schutzgebiet ausgewiesen durch die Rechtsverordnug des Landrats bezw. der Landrätin des Landkreises Nordwestmecklenburg u.a.: zur Erhaltung, Wiederherstellung oder Entwicklung des Naturhaushalts oder wegen der Vielfalt, Eigenart oder Schönheit des Landschaftsbildes. Aber auch wegen der besonderen Bedeutung für die Erholung.

Unmittelbar an der Viechelner Landstrasse, früher vielleicht ein Handelsweg zwischen Wismar und dem Umland, liegt dieser kleine Wald bei Losten und nahe Moidentin, durch den ein kleiner Wasserlauf führt. Es ist der Wallensteingraben und der war einst eine, allerdings nie richtig vollendete, Wasserverbindung zwischen Hohen Viecheln am Schweriner See und der Hansestadt Wismar. Ein Aufenthalt hier ist in der Tat erholsam. Heute.

Die Menschen, die im Herbst 1945 – vielleicht gerade auch auf diesem Weg – einem ungewissen Schicksal entgegen marschieren mussten, hätten eine Erholung wirklich nötig gehabt.

Der Krieg war kaum zu Ende und die Sieger nahmen sich, was ihnen vermeintlich zustand. Rachsüchtig und (krieg’s)verbrecherisch, wie vorher auch von Teilen der deutschen Wehrmacht in deren Ländern geübt. Da wurden Gräueltaten zu Selbstverständlichkeiten. Ganze Dörfer wurden angezündet und Hunderttausende aus ihrem Lebensraum vertrieben – wie auch Tausende in den (Massen) Selbstmord. Die grossen Fluchten begannen, und zwar im Viehwagen der wenigen, noch übriggebliebenen Züge und nicht per Flugzeug oder Wassertaxi. Natürlich auch nach Mecklenburg. Das Wort Willkommenskultur gab es damals noch nicht. Auf Befehl der sowjetischen Militärs wurden alleine im Kreis Wismar drei „Quarantänelager“ eingerichtet. Aus berechtigter Angst vor Seuchen. Die, damals „echten“ , Flüchtlinge und Vertriebenen, aus den Gebieten östlich von Oder und Neisse, hausten hier in hastig erstellten, zum Teil ungeheizten und stets überbelegten Blockhausbaracken. Ungefähr 53.000 sog. „Umsiedler“ lebten in qualvoller Enge und schliefen auf Pritschen, für die oft noch nicht einmal Stroh vorhanden war. Bei einer Aufnahmekapazität von 1.000 Personen wurden notgedrungen oft mehr als 2.000 untergebracht. Es gab nur ein Minimum an Verpflegung und für rund 115 Baracken nur drei Wasserstellen. „Donnerbalken“ dienten als Latrinen. Da war es kein Wunder, dass es da des Öfteren auch schon kurz nach der Ankunft, zu Sterbefällen kam.

Der Moidentiner Waldfriedhof liegt auf einer kleinen Anhöhe, etwa 2 km von dem ehemaligen Lager entfernt. Über das Lager ist „Gras gewachsen“. Es ist, zumindest für den Fremden, nicht mehr zu erkennen.

Ich denke, es gab wesentlich mehr Tote in diesem Quarantänelager und vermutlich wurden nur die hier bestattet, von denen die Personalien bekannt waren. Eine schlichte Granitstele mahnt, genau wie die 278 Gräber, zum Erhalt des Friedens. Zum Gedenken angelegt und unter Denkmalschutz gestellt, wurde der Friedhof 1960, also noch zu DDR Zeiten.

Er hat also schon viel erlebt, der 22 ha grosse Lostener See, durch den der Wallensteingraben fliesst und der als Angelgewässer ausgewiesen ist. Das Gewässer wird allerdings sehr wenig befischt und so können die Fische auch ziemlich sorglos die angelegte Fischtreppen benutzen.

Hinweis: Losten, Moidentin und Hohen Viecheln gehören zur Gemeinde Bad Kleinen, unserem neuen Wohnort.

Veröffentlicht von ruhland99

Man kennt mich - oder man kann mich (kennenlernen)..

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