Grüne Hölle

Ich weiss, dass bei dieser Überschrift einige meiner Bekannten enttäuscht sein werden. Aber meine eigenen Erlebnisse, bezw. „Erfahrungen“, in einer anderen „grünen Hölle“ wären hier absolut fehl am Platz.

Die hier geschilderte GRÜNE HÖLLE existierte real von 1933 bis 1989. Namenspatron waren die grün gestrichenen Zellenwände des, dem Schweriner Justizpalast angegliederten, heute abgeteilten und zum Mahnmal umfunktionierten, Untersuchungsgefängnisses.

Das 2001 vom damaligen Bundespräsidenten (an den muss man sich nicht unbedingt erinnern) feierlich eröffnete Dokumentationszentrum zeigt die wechsel- und unheilvolle Geschichte dieses ganzen Gebäudekomplexes. Bereits im Koalitionsvertrag von 1994 wurde die Errichtung dieses Zentrums von CDU und SPD vereinbart und dann endlich 1998 beschlossen. Gegen den Widerstand einiger anderer, eigentlich gerade „Befreiten“ (so wurde ich von externer Seite unterrichtet).

Drei Diktaturen hielten sich hier lästige Gerichtsverfahren erst einmal vom Hals. Justiz und je nach Mode GESTAPO, STASI oder MFS pflegten stets eine enge Zusammenarbeit.

Bei den Haftbedingungen mit totaler Isolation, Dauerverhören, Nachtvernehmungen und entsprechendem Schlafentzug, kamen dann auch „Geständnisse“ von den hartnäckigsten Staatsfeinden zustande. Da langte schon eine witzige Bemerkung über die jeweilige Staatsmacht (Böhmermann & Co hätten hier für den Rest ihres Lebens Vollpension bekommen..) oder eine zu geringe Abgabe der abgepressten landwirtschaftlichen Produkte. Auch Trunksucht und ähnliche Vergehen standen zur (einseitigen) Diskussion. Von den Sondergerichtsverfahren, getreu des Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses und Zugehörigkeiten zu bestimmten, unerwünschten Volksgruppen oder über bauernfähig, arisch und ehrbar, ganz zu schweigen.

Die Verfolgung und Verschleppung der Juden wurde hier genauso vorbereitet, wie die Verfolgung der Zeugen Jehovas. Die einen schickte man auf ihren Todesmarsch und die anderen brachte man in das KZ Ravensbrück (später DDR Haftanstalt). Wobei die Zeugen Jehovas erneut von 1950 bis 1989 verboten und verfolgt wurden.

Es ist schon beklemmend in Räumlichkeiten ein- und auszugehen, in denen noch vor einigen Jahren der blanke Terror seinen Spielplatz hatte. Nur am Rande sei erwähnt, dass auch nach der Wiedervereinigung, wenn auch nur kurzzeitig, das U-Gefängnis noch seinem ursprünglichen Zweck entsprechend, genutzt wurde.

Nicht nur über die „Kleiderordnung“ kann sich der Interessierte in diesem Schweriner Dokumentationszentrum informieren. Es gibt hier ausser der Dauerausstellung (das Wort „Ausstellung“ geht mir schwer in die Tasten) gelegentlich noch spezielle und ergänzende Veranstaltungen. Und eine hervorragende Führung mit wertfreier Einleitung. Auch ein Besuch der homepage des Dokumentationszentrums ist empfehlenswert.

In diesem Zusammenhang würde es mich echt interessieren, ob und wieviele unserer derzeitigen berufsbetroffenen, sich am Elend der Anderen karriereversprechend zu profilieren versuchenden, politisch aktiven Frontfrauen und- Männer aller Coleur, sich hier schon einmal einen Überblick verschafft haben, wohin so manche bestimmte Richtung führt. Und die Kirchenvertreter, mitsamt ihrem politischen Klientel, die damals alle geschwiegen haben und heute so laut posaunen – wo waren die damals eigentlich?

SCHWERIN mit seinem Dokumentationszentrum ist nur ein Beispiel. Ich habe es ausgewählt, weil wir neuerdings hier wohnen und der Besuch im Obotritenring, einer der Hauptstrassen der Stadt, zu einem besseren Kennenlernen und Verstehen unserer neuen Umgebung dazu gehört.

SCHWERIN gab es überall, auch in meiner Heimatstadt Frankfurt am Main. Da erzählen die Gebäude allerdings nichts von ihrer Vergangenheit – von einigen kenne ich sie..

Veröffentlicht von ruhland99

Man kennt mich - oder man kann mich (kennenlernen)..

7 Kommentare zu „Grüne Hölle

  1. Wieder einmal sehr gut geschrieben.
    Ich bin so froh, dass diese Einrichtungen geschlossen wurden… In meiner Familie gab es ein paar Onkel, die einige Jahre als Staatsfeinde in so einer Einrichtung verkümmerten. Weggekascht von der Stasi, wochenlang ohne Infos an die Familie und Jahre später gebrochen, zurück in die Welt, entlassen.
    Diktatur ist die Pest.

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    1. Der Stern ist für dein Lob, nicht für den geschilderten Inhalt. Wie schnell man damals zum Staatsfeind gemacht wurde ist unbegreiflich. Und auch die spätere Nichtverfolgung der Justiz und der Stasigrößen. So etwas können sich unsere derzeitigen „Berufsdemonstranten“ gar nicht vorstellen. Und das ist das andere Extrem einer Demokratie. Die einen haben aus der dunklen Vergangenheit gelernt und die anderen, die sie ja gar nicht kennen, möchten wohl wieder solche Verhältnisse haben. Dazu noch diejenigen, die grundsätzlich gegen Alles sind. Seltsame Zeiten, heutzutage..

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      1. Bei uns war die Ursache, dass ein Cousin meines Vaters Ende der 1950er Jahre geflüchtet ist… Folglich durfte niemand in der Familie studieren, ständig wurde Familienmitglieder von Staatfreunden schikaniert und auch mein Vater verschwand in meiner Kindheit einige Male für ein paar Tage ohne Grund und später ohne Erklärung von ihm. Wenn er mit seinem Chor ins Ausland wollte, mussten drei staatsfeine Menschen bürgen (was bedeutet, dass wenn er abgehauen wäre, die Bürgen verhaften worden wären).
        „Berufsdemonstranten“ find ich gut 😄
        Ja, Menschen können sich so einiges nicht vorstellen… vor allem genießen sie die Ergebnisse früherer, echter Demonstranten.
        Und wenn man andere Länder mit unserem Land vergleichen oder mal ein Gespräch mit Menschen aus anderen Ländern führen würde, dann würden diese heutigen „Kämpfer“ sich wahrscheinlich albern finden… Na ja, vielleicht 🤭

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  2. Nach den Erfahrungen des Nazi Regimes die Stasi. Und die Sippenhaft war ja eine ganz üble Übernahme aus der Nazi Zeit. Davon kam im Westen nicht so richtig viel an. Aber das es heute noch Unverbesserliche im braunen und auch rotem Lager gibt, das ist für mich das Allerletzte. Da passt dann nur noch die Tapferkeitsmedaille für den heutigen Strassenmob (als für Leute die sich nach Corona sehnen oder täglich mit anderen Ideen die Welt verschlimmbessern wollen). Ohne jegliche Konsequenzen dürfen dann auch Städte verwüstet werden. Solch eine Freiheit braucht dann aber auch kein Mensch..

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