Kein Heimweh nach..

..un es will merr net in mein Kopp enei: Wie kann nor e Mensch net von Frankfort sei! (Friedrich Stoltze)

Gedanke beim „Handkäs mit Musik..“

Von 1944 bis in die 80er lebte ich in Frankfurt am Main. Einer weltoffenen Stadt. Hauptstadt des Bankenwesens und Motor der Wirtschaftsregion Rhein-Main. Auch Stadt der Wissenschaft, Forschung und Lehre. Einer liebenswerten Stadt. Damals.

Ein „richtiger Frankfurter“ bin ich nicht. Aus Furcht vor den gerade wütenden Terrorangriffen der Allierten, die ja auch mit 26.000 Tonnen Bomben und gerade im März 1944 mit zwei sogenannten 1.000 Bomber Angriffen, die Stadt zu über 70% zerstörten, kam ich im April im 80 km entfernten Miltenberg am Main zur Welt. In Bayern!

Ein Jahr später war der Krieg vorbei und von 177.000 Wohnungen waren rund 90.000 zerstört. In unserem Fall mussten meine Eltern im Laufe des Kriegs drei Mal hintereinander ganz von vorne anfangen. Alle öffentlichen Bauten, Schulen, Kirchen und Krankenhäuser waren 1945 vernichtet. Die Einwohnerzahl von über 550.000 auf 230.000 reduziert. Etwa 17 Millionen Kubikmeter Schutt waren zu beseitigen..

Heute fallen mir manchmal noch Bilder ein

Eine 65 qm Wohnung in einem nicht ganz zerstörten Haus. Die Kirche, die noch unbelastet von Skandalen war und die Schule, deren Name (auf dem Sandsteinsims) von ein paar eifernden Ideologen inzwischen ausradiert wurde. Ironie der Geschichte: Heute lebe ich da (knapp 30 km entfernt), wo Theodor Körner wirkte und im Freiheitskampf auch sein Leben verlor.

Den Sportplatz, unweit des kleinen Flüsschen Nidda (auf dem konnte man schwimmen, eislaufen und paddeln), gibt es noch. Die Radrennbahn im Frankfurter Waldstadion und die Holzbahn der Frankfurter Festhalle sind Geschichte. Auf beiden hatte ich seinerzeit Ambitionen, weltberühmt zu werden. Es blieb bei den Versuchen.

Das 45 m hohe „AEG Hochhaus“ (so nannte man es damals wirklich) am Brückenkopf der ebenfalls 1951 neu erbauten Friedensbrücke (sie ersetzte die gesprengte Wilhelmsbrücke) gab die Richtung zur Stadtentwicklung vor. Commerzbank Tower mit 259 m und Messeturm mit 256 m sind ein Teil der heutigen Silhouettte und erklären den Namen Mainhattan.

Glattgebügelt sind nicht nur die Fronten der neuen Glaspaläste. Mit Erfolg hat man auch gleich das Frakfurter Original weggebügelt. Man hat sich als erste Stadt in Deutschland mit größtem Eifer bemüht das Prädikat „multikulturell“ zu bekommen. Den Grössen (inzwischen Altherren) einer auf Chaos und Steinewerfen gegründeten, inzwischen sogar von Konservativen umworbenen, damals neuen, Partei sei Dank.

In einer Stadt mit 50 % Migrantenanteil, es werden in den kommenden Jahren so 65-70 % erwartet, da gibt es natürlich auch dieses oder jenes Viertel und da passiert eben dieses oder jenes. Da muss man Verständns für haben. Deshalb wurde auch lobenswerterweise schon ganz früh das Amt für multikulturelle Angelegenheiten geschaffen (natürlich in grüner Hand), Gremien, Arbeitskreise und eine Unzahl von Trägervereinen und Unterstützer (mit entsprechend gut dotiertem Personal) koordinieren die Ansprüche und Bedürfnise von willkommenen Bürgern aus 194 Nationen.

Es soll aber auch Instuitionen geben, die sich um alte Frankfurter kümmern. Die AWO vielleicht? Aber doch nicht in Frankfurt, da haben die sich doch erst einmal um sich selbst gekümmert. Und mit deren Hilfe wurde dann auch ein recht blasser OB installiert.

Frankfurt ist eine Migrantenstadt und wem´s nich passt kann ja ausziehen. Der Spruch einer, damals gerade einmal 36 jährigen aus Teheran stammenden grünen Frontfrau, ist mir heute noch geläufig – er war das Signal zum Aufbruch. Nicht, dass ich etwas gegen Migranten hätte (es gibt spätestens jetzt ein paar arme Irre, die mich einer rechtsradikalen Gesinnung bezichtigen..). Ich bin vielleicht mit mehr ausländischen Mitbürgern bisher besser ausgekommen, als manche Kümmerer und Gutmenschen je kennengelernt haben – der Ton macht die Musik, nicht nur beim Handkäs..

Die Stadt, in der einst Kaiser gekrönt wurden, ist nicht mehr meine. Ich war dort einmal zuhause.

Dort, wo gerade wieder einmal vor der Frankfurter Alten Oper ein Gastspiel der Besonderen Art stattfand. Wohl unter dem Motto des Wahren, Schönen Guten. Und wo der Mob (neudeutsch Aktivisten genannt) schon des Öfteren eine Spur der Zerstörung hinterliess. Ob sich der OB eigentlich für die Party interessiert hat? Ist nicht bekannt.

Verschwommen der Blick zurück. Noch nicht einmal im Zorn im Gegenteil.

4 Kommentare

  1. Ich lebte ja auch viele Jahre in einer Großstadt. Ich habe ihr auch den Rücken zugewandt. Es ist nicht mehr meine Stadt. Sie ist mir fremd geworden vor lauter Fremdheit…

    Du hast es echt großartig beschrieben! Die Bilder über Frankfurt sind – zumindest bei mir – sehr lebendig angekommen. Danke dafür.

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  2. Noch vor einigen Jahren hatte ich unserem Besuchern „meine“ Stadt besser als heutige Fremdenführer zeigen können. Heute bräuchte ich selber einen, natürlich Nicht Frankfurter, als Fremdenführer. Lieber nicht. ☺️ Danke für Dein Kompliment!

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  3. Toll beschrieben und bebildert. Auch ich habe keinen Bezug mehr zu meiner Geburtsstadt Frankfurt und dem Rhein-Main-Gebiet. Ich lebe und fühle mich jetzt als „Nordlicht“ mit temporärem Appetit auf „Frankfurter Gree Soß´“

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