ALTO ADIGE – Südtirol

Südtirol (italienisch Alto Adige) hat viele Regionen und eine Unzahl von lohnenswerten Zielen um dort Urlaub zu machen. Es gibt entsprechend viel Literatur und jede Menge Reiseangebote. Wer sich für eine Reise dorthin interessiert und die Bergwelt mag, oder erst einmal kennenlernen will, findet bestimmt ein, seinen Vorstellungen entsprechendes, Angebot. Es wäre deshalb müssig „Eulen nach Athen zu tragen“ und im Internet zu findende, gut fundierte Beschreibungen zu wiederholen oder gar zu versuchen mit dem professionellen Bildmaterial der Verkehrsvereine konkurrieren zu wollen. Einfach ´mal „Südtirol“ anklicken.

Nur mit Hilfe meiner Video-/Fotoarchive könnte ich nachrechnen, wie oft ich in Südtirol schon mit allen möglichen Fortbewegungsmitteln (Rad, Motorrad, Auto, Bus) unterwegs war. Und dort auch am Bergwandern Gefallen fand.

Wer selbst einmal das Erlebnis Passtrassen suchen will, ich meine da nicht nicht die asphaltierten, autobahnähnlichen Schnellwege zur Alpenüberquerung, sondern die, zugegeben fahrtechnisch etwas schwieriger zu befahrenden, abenteuerlichen Schotterpisten, der sollte sich vorher mit dem abgebildeten Grossen Alpenstraßenführer aus dem Denzel Verlag beschäftigen. Der ist die Bibel der Alpenfahrer und diese Aussage ist keine Schleichwerbung. Dazu vernünftiges Kartenmaterial und wer das Glück hat, vielleicht im Internet, noch eine ADAC Ausgabe über 15 ausgewählte Panorama Strassen der Alpen zu ergattern, ist dann schon bestens vorbereitet für einen etwas besonderen Erlebnisurlaub. Verblüffend, es gibt immer mehr SUV´s – in den Innenstädten zum Angeben, aber selten da, wo so ein Teil sich wohlfühlen würde: Off Road und genau da, wo ein Allradantrieb auch wirklich Sinn machen würde. Es geht aber auch ohne, wenn man sich nicht überschätzt und entsprechend vorsichtig agiert. Wobei man auch hier seine ersten „Erfahrungen“ nicht gleich am Gavia oder dem Rafensteinsträsschen machen sollte – auch wenn der einst beühmt, berüchtigte Gavia Pass deutlich entschärft wurde.

Was den meisten Pauschalreisenden verborgen bleibt, ist der Anblick der Zeitzeugen unseliger Alpenkriege. In der, von Luis Trenker genannten, Front aus Schnee und Eis, verloren auf beiden Seiten unzählige Alpenjäger ihr Leben. „Um freies Schussfeld zu haben“, wie es Heinrich Böll in seinem Roman Billard um halb zehn so treffend, ironisch beschrieb. Die zurückgebliebenen zerbombten Forts sind aus gutem (üblen) Grund prächtige Aussichtspunke und an manchen führt auch kein Weg vorbei. Andere liegen versteckt und es ist beachtenswert, wie die damals angelegt wurden. Es musste ja jeder Stein und das ganze Kriegsmaterial, meist per Muli, hochgeschafft werden. Da kann man ruhig auch einmal an die dort sinnlos Geopferten denken. Aber selbst bei einem Bus Stop am über 2.200 m hohen Pordoi Joch sind es nur ein paar Schritte zu einem Ossarium, in dem die Gebeine von rund 10.000 Gefallenen ruhen. In Sichtweite des Col di Lana und dem ehemaligen Frontgebiet in den Ampezzaner Dolomiten, im Schatten der Marmolada Gletscher.

Die Natur hat sich erholt, das Land Tirol ist gespalten. Die Bewohner teilweise auch noch, zumindest die Älteren. Bis in die 70er gab es in Südtirol Proteste (auch mit Bombenanschlägen) zur Unabhängigkeit von Italien. Die Unzufriedenheit mit den neuen Herrschern machte mir ein, inzwischen verstorbener, Einheimischer verständlich: Mit Einführung der italienischen Sprache als Landessprache wurden auch gleich sämtliche Führungspositionen in Verwaltung und Wirtschaft neu besetzt – ausschliesslich von Italienern. Der Lehrplan der Schulen änderte sich und die historische Vergangenheit wurde umgeschrieben.

Das Alles erinnert so ein bisschen an Irland. Und an die friedliche Übernahme der DDR (da behielt wenigstens die deutsche Sprache Gültigkeit)..

Die Menschen in Südtirol sind überwiegend gläubige Katholiken. Doch auch hier beginnt der schleichende Prozess der Entchristianisierung. Wie überall in Europa. Vielleicht hat dieser Umstand seinerzeit auch einen unseligen deutschen Bundespräsidenten zu einer, zumindest geographisch anzuzweifelnden, unerhörten Aussage bewegt.

Man lebt in der Begwelt im Rythmus der Jahreszeiten. Etwas abseits der Hauptstrassen findet man immer noch die Urspünglichkeit von damals. Vereinzelt liegende Höfe, die Häuser mit dicken Mauern und kleinen Fenstern als Kälteschutz und mühselige Ausübung der Landwirtschaft. Da gibt es wirklich noch Gegenden, die vom Tourismus Boom noch nicht überrollt sind.

Es gibt viel zu sehen und zu erleben in Südtirol. Fahr ´mal hin !

4 Kommentare

    • Deshalb habe ich das ja auch reingestellt. Um Dich zu überzeugen doch einmal dahin zu fahren. Herbst und Frühjahr ist es dort an schönsten. Beides liegt ja noch vor Dir!☺️☺️

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  1. Es ist eine wirklich traumhafte Gegend. Egal mit welchem Gefährt eigentlich, aber bei mir war es am reizvollsten mit dem Motorrad. Andererseits fand ich es auch toll, wenn die Leute mit ihrem Womo direkt in der Natur wohnen konnten☀️☀️

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