KILKENNY – Cill Chainnigh

Auch wenn schon im 6. Jhd. das Kloster Canice gegründet und von 1200 bis 1260 die zweitgrösste Kathedrale des Landes hier gebaut wurde, das Wappen ziert eine Burg. Dieses Wahrzeichen der Stadt errichtete man auf dem gleichen Platz, auf dem schon 1170 eine hölzerne Burg stand um den Flussübergang der Nore besser kontrollieren (und daran verdienen) zu können.

Zwischen dem 14. und 17.Jhd. war Kilkenny eine blühende Stadt. Kein Wunder, die englische Krone residierte hier mit einigen Parlamenten. Die englischen Eroberer gingen so weit, dass sie 1366 ein Gesetz herausbrachten, das den anglo -normannischen Siedlern die irische Sprache und das Tragen irischer Kleidung verbot. Annahme irischer Namen oder gar Eheschliessungen mit irischen Männern oder Frauen waren ebenfalls verboten. Und innerhalb der Stadtbefestigung hatte kein Ire etwas zu suchen. Da gab es natürlich Aufstände gegen die Engländer. Und gerade im 17. Jhd., als Kilkenny als Zentrum des katholischen Widerstands galt, tauchten 1650 Olivers Chromwells Truppen auf und töteten wieder einmal die Mehrzahl der Bewohner einer Stadt.

Glaubt man einer der vielen dunklen Geschichten, ist Kilkenny auch Heimat einer exclusiven Katzenrasse. They are fighting like Kilkenny cats sagt man in einer alten Redewendung. Die fusst darauf, dass die englischen Soldaten während einer erneuten irischen Rebellion 1798 in den Gassen der Stadt zwei Katzen einfingen. Diese beiden Katzen banden sie an den Schwänzen zusammen und hängten sie an einer Wäscheleine auf. Hoch in der Luft baumelnd, haben die sich dann ordentlich so lange gefetzt bis nur noch ihre Schwänze übrig blieben. Das sollte der aufmüpfigen Bevölkerung eine Warnung sein…

Schon von weitem erblickt man die St. Cannicés Cathedral. Diese steht auf dem Gelände des ehemaligen Klosters. Neben der Kathedrale befindet sich ein 31 m hoher Rundturm. Von diesem hat man einen tollen Blick über die Stadt. Und St Marys Cathedral und St Johns Priory (BlackAbbey, wegen der schwarzen Mönchsgewänder) sind auch für Leute sehenswert, die ansonsten mit Kirchen und Religion nichts am Hut haben. Mittelalterlich, mystisch und romantisch sind sie alle, diese Zeugen der Vergangenheit. Man muss dabei auch daran denken, dass die Religiosität der Bevölkerung, gerade und ganz besonders, durch die Vernichtungszüge der Chromwell Truppen gestärkt wurde. Die katholische Kirche war ihr grosser Halt. Im Gegensatz zu vielen anderen Ländern geht hier ein Grossteil der Leute heute noch regelmässig zum Gottesdienst.

In der kleinen Stadt mit rund 20.000 Einwohnern erinnert man sich auch noch gut an die Zeit, als hier die Mönche noch Bier brauten. Im Hof der Smithwick Brauerei steht sogar noch ein Teil einer Kirchenruine. Und im Gegensatz zu unserem Bier, ist das Kilkennys ziemlich hell und schmeckt etwas cremig. Nach dem 7. ist das aber dann so richtig lecker.. Und es gibt hier nicht nur viele Kirchen, sondern auch eine ganze Menge Pubs..

Es gibt noch viele schaurig schöne Geschichten aus finsterer Zeit. Von Hexenverbrennungen und Gottesurteilen. Da verbrannte man dann auch einmal als Ersatz ein Magd, weil deren Herrin sich rechtzeitig aus dem Staub machte. Urteil ist Urteil und das muss auch vollstreckt werden. Der Sohn der angeblichen Hexe, auch der Hexerei verdächtigt, entkam seinem Schicksal nur, indem er 1332 als Zeichen seiner Frömmigkeit auf eigene Kosten ein Kirchendach mit Bleiplatten eindecken liess. Allerdings stürzte das Kirchendach auch gleich unter der schweren Last ein. Also egal ob Guiness oder Kilkennys – Pubgeschichten sind immer wieder schön.

Wir verlassen Kilkenny mit dem altirischen Segenswunsch im Gepäck:

Mögest du leben, so lange du willst und es wollen, so lange du lebst.

2 Kommentare

  1. Guten Morgen Jürgen,
    wiedereinmal ein Beispiel für die Willkür, die im Mitelalter herrschte 😱 Und natürlich für die Grausamkeit der britischen Krone.
    Ich wünsche dir einen schönen Tag 🌈
    Liebe Grüße
    Monika

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  2. Guten Morgen Monika, die Willkür hat leider bis heute überlebt. Die täglichen Nachrichten spiegeln das ja leider wieder. Die „Verpackung“ ist eine andere. Es geht immer um das ‚Glück der anderen“ und den eigenen Reichtum..☺️ Und auch die Foltermethoden sind nur auf HighTec umgestellt, und das noch nicht einmal überall bei den heutigen Despoten. Ungeachtet davon: einen schönen Tag!☺️

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