LAHN – CAMINO, von Obernhof nach Nasssau und Gedanken zwischendurch

Der Zug war pünktlich und brachte mich vom, noch im Morgennebel liegenden, Nasssau zu meinem Startpunkt nach Obernhof. Eine etwas leichtere, kürzere Etappe (ca. 12 km) war es heute und so bleibt etwas Zeit für Gedanken über das Pilgern.

Pilgerreisen sind ja derzeit mehr, als „In“ und da fragt man sich schon: Betreibt hier die Geistlichkeit professionelles und perfektes marketing , oder die Touristikbranche? Da gibt es inzwischen Reisebüros, die ihre Gäste mit Bussen von Station zu Station karren. In den Prospekten findet man dann: Pilgermahlzeiten und Wandereinlagen zur Vermittlung des Pilgererlebnisses, die mit dem Komfort eines modernen Reisebusses verbunden werden. Nur eine Privataudienz mit Jesus bieten die noch nicht an. Da fragt man sich: Kann man das noch mit demBegriff „pilgern“ in Verbindung bringen?

Zu kurz gekommen sind im vorigen Beitrag Aufnahmen des Klosterwegs zwischen Kloster Brunnenburg und Kloster Arnstein, deshalb hier eine Ergänzung.

Glaube, Hoffnung und Liebe waren das Motto des Kloster Arnsteins. Seit fast 900 Jahren, bis 2018, lebten Ordensmänner, die Arnsteiner Patres, im Kloster Arnstein. Inzwischen zogen die Patres aus und es sind Frauen einer orthodoxen Schwesterngemeinschaft hier eingezogen. Wie das Bistum Limburg erwähnte, sind diese sehr „dankbar für diesen wunderschönen Ort über der Lahn.“

Wenn jemand sich auf eine Pilgerreise begibt, so wird er dafür auch seine Gründe haben. Es geht sicher nicht darum `mal eben ein paar km durch den Wald zu laufen.

„Beim Pilgern werden einfältige Menschen vorgeführt in einem falschen Wahn und Unverständnis göttlicher Gebote“ und „Man soll sich hüten zu viel von einer Pilgerreise auf dem Jakobsweg zu erwarten: man weiß nit, ob Sankt Jakob oder ein toter Hund oder ein totes Ross da liegt. Drum: Lass reisen wer da will – bleib du daheim“ (Martin Luther)

Wir sind Pilger, die auf verschiedenen Wegen einem gemeinsamen Treffpunkt zuwandern (Antoine de Saint-Excupény).

„Heute müssen sich Fußpilger nicht mehr davor hüten überfallen, sondern überfahren zu werden“ (Zitat H. Kolbinger)

Die Lahntalbahn blieb auf ihren Gleisen und ich brav daneben. Und wenn jemand, der unterwegs ist, in der Natur ein bisschen Frieden findet ist das ja auch schon was.

Der Pilgerweg schlängelte sich durch ein wildromantisches Bachtal und ging dann aufgrund einiger vom letzten Orkan gefällter Bäume, offensichtlich nicht so richtig weiter – die Bäume mit den Muschelzeichen lagen ja auf der Erde..

Und dennoch fand ich den Weg zurück nach Nassau.

Geh nicht immer auf dem vorgezeichneten Weg, der nur dahin führt, wo andere bereits gegangen sind (Alexander Graham Bell, Erfinder 1847 – 1922)

11 Kommentare

  1. Ich bin begeistert und gleichzeitig animiert auch über meinen Tour einen Beitrag zu schreiben. Dafür muß ich aber sehr tief in meinen Ordnern nach Bilder suchen und meine Frau mit ins Boot nehmen . Sie ist es, die unsere Touren schriftlich festhält, wärend ich mich mehr um die Bilder kümmer . Zum Teil kenne ich die Orte und Bilder, über die du berichtest. Es gibt aber auch Teile, die ich nicht kenne und die ich mir in meinen Reiseplaner eingetragen habe. Es sind für mich Anregungen für Reiseziele, die sowohl Natur als auch interessante Bauten zeigen . Klasse gemacht Danke fürs Zeigen.

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  2. Danke wenn´s gefällt. Mit den Bildern geht es mir ähnlich. Glücklicherweise sind da jetzt die Aufnahmedaten festgehalten und sogar GPS könnte man auswählen (braucht aber viel Strom). Ich werde noch in kurzer Fassung den Lahn-Radweg- hintendran hängen. Da gibt es übrigens Super Campingplätze und man kann da auch einmal für eine Etappe ein Kanu mieten..

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  3. Ich kenne den Wohnmobilplatz in Limburg, liegt auch sehr schön an der Lahn. Einen weitern kenne ich auch noch an der Lahn, der ist komplett ohne Ausstattung . Das ist eine Anlegestation für Paddler, die dürfen dort auch zelten.

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      • Ich habe alles was ich brauche an Bord. Ich brauche nicht unbedingt ☆☆☆☆☆ Plätze , mir hat diese Stelle sehr gut gefallen . Ich hatte von dort einen sehr schönen Einstieg in den Radwanderweg und oft schöne Motive direkt aus dem Campingstuhl. Was will ich mehr????, 😚

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      • Genau so ist es . Ich bin schon viele Jahre unterwegs ,unser erstes Auto war ein VW T3 . Zu der Zeit war das Reisen noch ein Abendteuer. Heute ist mit der Größe des Womo und manchen Insassen das Anspruchsdenken leider ins unermesslich gewachsen. Ob wohl es fast alle bei sich haben, ist es ein Muß, Strom , WC , Dusche, Waschmaschine und was extrem wichtig ist WLAN zuhaben. Ich bin ohne diesen SchnickSchnack quer durch Europa gereist und wir waren glüvklich dabei.

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