LAHN – CAMINO, von Diez/Lahn nach Obernhof

Nur 26 km stehen heute an. Allerding mehrmals auf bis zu 300 m Höhe – und das summiert sich..

Von Diez, dessen Bahnhof ja bekanntlich „unten“ liegt, geht es noch etwas mehr abwärts zur Lahn und dann auf die Höhen. Ein mehrmaliges Auf und Ab. Man passiert das kleine Ort Fachingen mit der Quelle des berühmten, als Heilwasser vermarkteten, Fachinger Mineralwassers und taucht ein in einen nimmer endenden Wald.

Wer die Berge erklimmt, darf dann auch die Aussicht auf die Lahn geniessen, gleich wieder absteigen und unten wieder angekommen an deren Ufer entlangschlendern.

Balduinstein, eine verfallene Burg, fungiert derzeit als „Jugendburg“: Die Burg ist eine überbündische Begegnungsstätte in der sich unsere Gäste ebenso wohlfühlen wie wir selbst. Sie soll uns Balduinsteinern und unseren Freunden immer bündnische Heimstätte und Zuflucht sein.. (usw., aus dem Orig.Text). In einem Missbrauchsprozess taten sich dann Abgründe hinter diesen verfallenen Burgmauern auf. Die Taten wurden gar nicht erst bestritten. Verschwiegen und vertuscht wurde das alles zunächst selbstverständlich von den Pfadfinderorganisationen. Aber auch die angesehene Frau Bürgermeister Maria-Theres Schmidt, parteilos und Mutter zweier Kinder, will (nach meinen nachvollziehbaren Internetrecherchen) darüber nicht gerne reden – weil der Tourismus nicht leiden soll. Verständlich, sie betreibt (betrieb) ja eine Pension.

Wieder steil bergauf führt der Weg zum Kloster Arnstein. Das liegt nicht weit von der Klosterruine Brunnenburg (also doch noch ein paar km mehr..). Von beiden hat man einen total schönen Blick hinunter zur Lahn. Man sagt, dass beide Klöster durch einen unterirdischen Gang verbunden waren. Von wegen dem urchristlichen Gedanken des Zusammenlebens von Mönchen und Nonnen -laut einem Selbstverständnis der Prämonstratenser . Nein, nein, da habe ich wohl etwas falsch verstanden. Es sollte Männer und Frauen heissen. Und: Bei Bergbauarbeiten an der Lahn stiess man immer wieder ´mal auf verfallene Stollen und ausgerechnet in einem Tunneleingang zum Gewölbe der Brunnenburg fand man etliche Kinderskelette..

Da wendet man sich lieber dem Schloss Schaumburg zu. Hier wollte man schon 1983 ein Nobelhotel mit Golfplatz errichten. Das passte aber den an der Lahn ansässigen Hoteliers gar nicht. Deren Futterneid ist so weit gediehen, dass hier oben noch nicht einmal ein kleiner Imbissbetrieb erlaubt wurde.

So kann es einem gehen, in der Erwartung ein Schlosscafe´vorzufinden. Und so geht man eben unverköstigt weiter auf dem Weg, der angeblich das Ziel sein soll. Ich finde den beliebten Spruch nicht ganz so treffend: Wenn der Weg das Ziel sein sollte, hiess er ja auch so.

Nicht durch die Hölle (obwohl es an diesem Tag auch noch höllisch heiss war), sondern durch das Naturschutzgebiet Gabelstein-Hölloch führt der Weg dann zum Tagesziel Obernhof.

Obernhof gibt sich selbst den Namen Perle der Lahn und verspricht (lt. Statistik) 1.200 Sonnenstunden im Jahr. Liebevoll sind die Fachwerkhäuser restauriert und von hier kommt auch der Wein mit dem Namen Obernhofer Goetheberg.

Und dazu passt Goethes Spruch: “ Nur wo du zu Fuß warst, bist du auch wirklich gewesen.“

10 Kommentare

    • Oh je, liebe Kaya – ich kann mich kaum erinnern, jemals eine Herausforderung nicht angenommen zu haben. Ob im Sport oder im Job. „Was Andere können, kann ich auch“, dachte ich und htte stellenweise mit dieser Einstellung auch (manchmal unverdienten) Erfolg. Wenn nicht, hatte ich es wenigstens versucht. Mit manchmal extrem hohem Risiko. Bis dann einmal die Frage kam: „Was willst Du Dir eigentlich noch beweisen?“ Das Alter kam automatisch hinzu. Und so warf ich einige Dutzend Pokale und Plaketten (für die ich fast mein Leben riskierte) ganz einfach in den Hausmüll. Als ich mit 50 meinen Job verlor war ich dann noch einmal auf die Beurteilungen von Leuten, die mich gar nicht kannten, angewiesen. Da machte ich mich selbständig und gewann schon wieder. Heute stehe ich eigentlich nur noch am Rande der Peripherie und muss mich keiner Herausforderung mehr stellen. Aber Dein Vorschlag hat mich nicht nur gefreut, sondern auch irgendwie berührt. Du könntest ja meine (leider nicht vorhandene) Tochter sein. Und wenn die so einem alten Zausel noch so ein Lob gibt. Aber Hallo! Ich denke, Du verstehst mein „Kneifen“. Liebe Grüße von der (Ost)see! Jürgen

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      • Weißt Du was, lieber Jürgen – ich lese Deine Zeilen und bekomme lauter Gänsehaut und Tränen in den Augen. Wow, was für wunderschöne Zeilen.
        Natürlich kann ich das verstehen! Und außerdem, ja, irgendwie habe ich es auch vorher schon geahnt. Trotzdem wollte ich Dich nicht wegen meiner Ahnung weglassen.
        Ich bleibe auf jeden Fälle eine treue Leserin Deiner Beiträge!
        Ganz liebe Grüße von Herzen,
        Kaya Licht

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      • Vergiss ´mal ganz schnell die TränenIn dreissig Jahren sehen Lachfalten einfach besser aus😊 Und eitel wie ich nun ´mal bin, freue ich mich natürlich auf Deine „Gefolgschaft“!😁

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  1. Nun habe ich auch endlich mal den Text gelesen 😉 Das war ja wieder eine interessante Reise. Bei den Kinderskeletten wurde mir doch mal kurz anders. Aber die vielen schönen Fotos haben mich gleich wieder versöhnt. Das gibt so viele zauberhafte Fleckchen, ich dürfte wohl gar nicht mehr arbeiten gehen, wenn ich da auch überall noch mal hin will. Dann noch nach Norwegen, Schweden, Frankreich, Griechenland und dann will ich unbedingt noch mal nach England, Schottland, Irland… Ich sag dem Chef mal, dass ich leider zum Arbeiten keine Zeit mehr habe …

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      • Er wird keine andere Wahl haben … 🙂
        Ich bin gerade dabei gedanklich alles zusammenzutragen, was so mit soll. Mein Mann fragte schon, ob ich einen Hänger mitnehmen will. Da er ja ein Tag später, fürs Wochenende, auch „hochkommt“, kann er sein Auto ja auch noch vollstopfen … 😀
        So langsam steigt die Freude.

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