LAHN – CAMINO, von Villmar nach Diez / Lahn

Ich hätte bei meinem letzten Beitrag besser aufpassen sollen: Vor genau 10 Jahren wanderte ich auf dem Lahn – Camino von Weilburg nach Villmar. Bei dieser Erkenntnis muss ich jetzt erst einmal ein Päusschen einlegen und einem, mir ebenfalls heiligen, Geist huldigen: Marille, 40%, lecker. lecker.. Wie schnell doch diese 10 Jahre vergangen sind – damals war ich 66 und da sollte laut Udo Jürgens das Leben anfangen. Das wievielte hat er nicht gesagt. Aber, um beim Text zu bleiben, vielleicht ist ja noch lange nicht Schluss..

Villmar – Diez/Lahn 23 km

Villmar wurde das erste Mal 1053 in einer Urkunde erwähnt, und zwar als Kaiser Heinrich III den Königshof Villmar dem Kloster St. Matthias in Trier schenkte – aber auch nur, weil er von diesem Kloster einige Reliquien bekommen hatte.. Das Trierer Kloster blieb bis 1803 (!) Grundherr Villmars. Als Verwalter fungierten zunächst die Gaugrafen von Dietz. Später kümmerten sich die Herren von Runkel um den Besitz. Und im Jahr 1596 ging die Hoheit für die Gemarkung Villmar an die Erzbischöfe von Trier über. Später, ab dem 19. Jhd., übernahm erst einmal das Herzogtum Nassau den Besitz und ab 1866 gehörte Villmar zum preussischen Königreich.

In der Stadtkirche St. Peter und Paul kann man man die prächtige, spätbarocke Ausstattung bewundern. Diese ist teilweise aus LAHN-MARMOR. Aus Lahn Marmor Blöcken ist auch die, hier noch einmal gezeigte, Lahnbrücke erstellt. Und auf ihr erinnert eine Statue des Hl. Nepomuk an das Beichtgeheimnis.

Schon seit dem 16. Jhd. ist der Bruch und die Bearbeitung des im Bereich Villmar als „bunter Marmor“ auftretenden Lahn Marmor nachgewiesen. Einige Funde im Römerlager Xanten deuten darauf hin, dass der Lahn Marmor schon vor 2.000 Jahren genutzt wurde. Bei dem Naturdenkmal Unica Bruch, einem 2 km entfernten, aufgelassenen Marmorbruch, ist sogar der Kernbereich eines 300 Millionen Jahre alten fossilen Riffs zu sehen. Bewundern kann man dieses leicht zu polierende Schmuckgestein heute auch noch im Mainzer Dom. Natürlich auch in dem genannten Trierer Kloster, in der nahe Miltenberg am Main gelegenen Klosterkirche von Amorbach, aber auch im Empire State Building in New York. Sogar in einem indischen Palast ist Lahn Marmor verbaut. Das brachte Wohlstand in diese Lahn Gegend. Für mich war das alles neu und die 4 km extra habe ich nicht bereut..

Jetzt aber bekommt der Jakobsweg einen fast alpinen Charakter. Steil und steinschlaggefährdet gelangt man zum Denkmal für den ersten deutschen König. Konrad steht auf einem fast sekrecht zur Lahn abfallendem Felsen. Der Blick nach unten ist nur etwas für absolut Schwindelfreie.

Im Bogen führt der Höhenweg weiter, um Runkel herum und durch Wald und Felder nach Eschhofen. Dann herunter zur Lahn. Unter der ICE Trasse und der Autobahn durch und es geht wieder hoch zum Greifenberg. Von einem dort befindlichen Pavillion hat man einen herrlichen Ausblick auf Limburg, den Dom und beide Lahnbrücken.

Limburg habe ich schon einige Male erkundet und so ersparte ich mir diesmal den Gang durch die sehenswerte Altstadt mit ihren vielen Fachwerkhäusern. Auch den auf einem steilen, zur Lahn hin abfallenden Felsen, stehende Dom (.. auf diesen Felsen), Grundsteinlegung um 1200, habe ich schon öfters von innen gesehen und der, damals in der Kritik stehende, Tebartz-von-Elst (Beruf Bischof) hätte mich ja eh´nicht empfangen. So stieg ich vom Greifenberg ab, direkt zur Lahn und vorbei an dem Hochwasserpegel von 1927 auf dem die Wasserstände seit dem Mittelalter zu ersehen sind.

Die alte, 106 m lange, Lahn Steinbrücke wurde bereits im 14. Jhd erbaut. Hier überquerten im Mittelalter die, auf der alten Handelsstrasse Via Puplica von Köln nach Frankfurt ziehenden, Kaufleute den Fluss. Heute hat sich im Brückenturm ein ehemaliger Landrat sein Wohnrecht per Erbpacht gesichert. Zufälle gibt´s..

Nach Unterquerung der alten Lahn Steinbrücke geht es, jetzt endlich wieder einmal auf der Ebene, entlang des Flusses weiter. Ins Blickfeld kommt das, damals als erstes hessische privat gemanagte, Gefängnis Hünfeld (finanziell ein Flop) und voraus das Schloss Oranienstein, das an die Nassau-Oranier erinnert. Dieses hat eine bewegte Vergangenheit und wird heute von der Bundeswehr genutzt.

Jetzt fast am Ende der Wanderung und doch zu früh gefreut. Noch einmal muss man, direkt am Schloss, steil bergauf zum Stadtwald von Diez steigen, um dann erst wieder bergab zum Bahnhof und dem geparkten Auto zu kommen. Das Ortsbild von Diez beherrscht das hochmittelalterliche Grafenschloss. Dessen ältester Teil stammt noch aus dem 11. Jhd. Heute befindet sich in dem Schloss eine Jugendherberge.

Weil ich wieder rund 30 km auf dem Lahn – Camino zurückgelegt habe, vertraue ich auf den Spruch des Hippokrates von Kos (460v Chr – um 370 v. Chr): Gehen ist des Menschen beste Medizin

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.