LAHN – CAMINO, von Weilburg nach Villmar

WEILBURG – VILLMAR 26 km (ohne Umwege)

Frühmorgens schon vom Bahnhofs Parkplatz in Villmar mit der Lahntalbahn zum Startort für die zweite Etappe angereist, setzte ich meine Wanderung fort. Die, die Stadt überragende, barockene Schlossanlage und die Altstadt (beides wirklich sehenswert), hatte ich aufgrund meines früheren Wohnsitzes in Weilrod-Cratzenbach schon öfter besucht und auch das Schiffahrtstunnel war mir bekannt. Vom Weilburger Bahnhof kommend musste ich dieses Tunnel auf dem schmalen Fussweg passieren um zur Lahn zu gelangen.

Dieser Tunnel ist der älteste (1847) und längste (195 m), heute noch befahrbare Schiffstunnel in ganz Deutschland. Er unterquert den Mühlberg, auf dem sich die Stadt befindet und ersparte nicht nur zwei km Lahnschleife mit ihren Sandbänken und Stromschnellen, sondern auch den Bau neuer Schleusen und umging auch die wegen der Höhendifferenz (4,65m) nötigen Wehre. Geplant war er, um die Eisenerzgruben an die Montanindustrie des Ruhrgebiets anzubinden. Die eingeplanten Baukosten von rund 65.000 stiegen, für heutige Verhältbisse „nur“ um das Dreifache auf 182.500 Gulden. Von kurzer Dauer nur, war dann die wirtschaftliche Bedeutung des Tunnels. Als die Lahntalbahn 1863 Wetzlar erreichte, wurde das Erz in Güterzügen transportiert und der Tunnel nicht mehr gebraucht. Heute dient er der Sportschiffahrt. Geblieben ist die Inschrift auf der Tafel aus Lahn-Marmor:

ADOLPHUS DUX NASSOVIAE MONTIS JUGUM PERFOSSUM NAVIBUS APERUIT A.D. MDCCCXLVII

Adolf Herzog von Nassau hat den Rücken des Berges durchstochen und den Schiffen geöffnet A.D. 1847

Für mich ging es jetzt erst einmal auf einem alten Treidelpfad das Lahnufer entlang und dann durch eine Eisenbahnunterführung in vielen Windungen steil bergauf zur Burg Freienfels.

Die sehr unübersichtliche Beschilderung liess mich aber erst einmal dem, auf einer alten Bahntrasse angelegten Weiltalweg, folgen. Landschaftlich reizvoll, aber ca. 5 km Umweg. Und das alles ohne zu fluchen! Umwege stärken eben die Ortskenntnis. Noch bescheuerter für mich, die Tatsache, dass ich ein paar Jahre im Weiltal wohnte und diese Gegend, bezw. die Burg, damals schon besucht hatte. Aber ohne auf die Idee zu kommen, dass hier ein Jakobsweg verläuft.

Die Burg wurde um 1300 von einem Grafen Dietz-Weilnau errichtet, verfiel im Laufe der Zeit und jetzt finden hier im Sommer Festspiele statt.

Ultreia, ultreia et suseia – deus adjuva nos! So steht es im Codex Calixtinus, dem ältesten erhaltenen Pilgerführer und es bedeutet: Vorwärts, vorwärts und aufwärts. Gott begleitet uns.

Und dann ging das Auf und Ab erst richtig los: via Elkershausen nach Langhecke, schon 1380 erwähnt: Eine durch Silber und Eisenfunde einst bedeutende Bergarbeitersiedlung. Im 19. Jhd. exportierte Langhecke dann den wetterfesten Dachschiefer. Der Taunus ist ja als Schiefergebirge bekannt. Dass er jedoch vor 380 Millionen Jahre noch nahe am Äquator lag war mir aber doch neu. Und auch, dass sowohl Goethe, als auch schon viel früher, der Schinderhannes dieses versteckte Walddorf schätzten, wusste ich vorher auch noch nicht. Bei beiden (auf ihre Art) aber irgendwie verständlich..

Als ich dann incl. meines Umwegs ca. 30 km ge(pilg)wandert war, erreichte ich endlich wieder den kleinen, aber geschichtsträchtigen, Marktflecken Villmar und somit meinen Parkplatz am Bahnhof Villmar, der ja eigentlich am gegenüberliegenden Lahnufer des Dorfes liegt.

Mit einem letzten Blick auf die Lahnbrücke und die Pfarrkirche St. Peter und Paul verabschiedete ich mich um dann zum Start der nächsten Etappe wieder hier zu erscheinen. Aus besonderem Grund werde ich dann das Foto dieser Lahnbrücke im nächsten Beitrag noch einmal verwenden.

Mit der Erkenntnis des Lao-Tse (6 Jh.v.Chr.), dem chinesischen Philosophen, tröste ich mich über die ungeplanten fünf Verlängerungskilometer:

Der große Weg ist sehr einfach, aber die Menschen lieben die Umwege.

Veröffentlicht von ruhland99

Man kennt mich - oder man kann mich (kennenlernen)..

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