LAHN – CAMINO, von Wetzlar nach Weilburg

Pilger oder Wandersmann

Als Pilger kann ich mich, selbst beim besten Willen, nicht bezeichnen. Aber ich bin diesen Weg gegangen. In sieben Etappen, an sieben verschiedenen Tagen. Ich machte einfach eine Historische Wanderung. Und wenn ich auf Pilger Bezug nehme, so habe ich höchsten Respekt vor deren körperlichen Leistungen und ihrem Glauben. Das gilt übrigens auch für die Mekka-Pilger und für alle, die im Pilgern ihr Ziel suchen. Mögen sie es erreichen!

Und als Pilger habe ich mich daher auch nicht ausgegeben: also keinen Schlapphut aufgesetzt oder eine Muschel mitgenommen. Die Carbon Nordic Walking Stöcke ersetzten den Pilgerstab. Auch auf die damals wohl üblichen Sandalen verzichtete ich. Die Anreise erfolgte ja eh´im Nobelauto mit Klimaanlage, im CD Schacht des Bordradios vielleicht auch noch ein paar Choräle eingelegt. Und zum Wandern bevorzuge ich seit Jahren meine festen Bergschuhe. Zur Kursbestimmung hatte ich meinen „Seiko Flightmaster“ (inzwischen ersetzt durch ein neues Wunderwerk der Technik, meine derzeitig Armbanduhr zeichnet sogar die zurückgelegte Wegstrecke auf..) Auch auf die Ausstellung eines Pilgerausweises habe ich verzichtet. Den kann man übrigens von Deutschland bis Santiago de Compostela benutzen und es gibt inzwischen sogar auf deutschen Jakobswegen Stempelstellen. Was soll´s – ich habe in meinem Leben schon genug Stempelstellen auf Strassenkarten gesucht, angefahren und bin dann, meist auch noch mit Strafpunkten versehen, weitergerast..

Den Camino sollte man einfach deshalb gehen, weil er da ist.

Wetzlar – Weilburg

Nun war er da. Der erste Pilger- oder doch besser und ehrlicher, Wandertag. Und in Wetztlar ging es nun los. Das heisst, zunächst einmal parkte ich, der moderne Touri Luxus Pilger, mein Auto in Weilburg, dem Tagesziel. Es ist das Schöne am Lahn Camino, dass man mit der Bahn, deren Strecke auch entlang der Lahn verläuft, sämtliche Pilger Stationen erreichen kann. Vorausgesetzt man hat eine IT Ausbildung, bei einer Station sogar Münzgeld, und ist dann auch in der Lage, sich eine Fahrkarte aus dem Automaten ausdrucken zu lassen. Nach meinem dritten Fehlversuch half mir ein kleines Schulmädchen beim Erwerb des benötigten Fahrtausweises.. Und so parkte ich dann regelmässig am Ziel der Tagestappen um mit der Bahn zu den Startpunkten zu fahren.

Der Dom zu Wetzlar, da wird man schon an „Die Säulen der Erde“ erinnert, ist das Wahrzeichen der Stadt und gleichzeitig auch deren grösster Sakralbau. Es ist eigentlich ein Dom im Dom. Nicht ganz fertig sozusagen. Der linke Turm kam nie über das Sockelgeschoss hinaus und da gibt es ein Mittelportal, eine Treppe dazu jedoch fehlt. Und es gibt noch Reste einer Basilika, diese wollte man eigentlich abreissen, abschnittsweise, um die Kirche während der Neubauzeit noch benutzbar zu halten. Doch Ende des 14. Jhd. schlitterte die Stadt irgendwie in eine katastrophale Finanz- und Wirtschaftskrise. Da gab es dann natürlich zwischen Kirchenstift und Stadt sofort Streit um die Finanzierung. Ergebnis: Man stellte erst einmal die Arbeiten ein. Erst um 1590 ging es dann so irgendwie weiter.

Was aber noch interessanter ist: Als die Wetzlarer sich dem Lutherischen Glauben zuwandten, teilten sie sich die Kirche und so blieb es bis heute. Katholische und evangelische Gemeinde benutzen denselben Altar und dieselbe Orgel. Geht doch!

Die von mir bereits im letzten Beitrag abgebildete Jakobsstatue, als Pilger mit Muschel dargestellt, befindet sich an der Fassade des Wetzlarer Doms Unserer Lieben Frau, direkt am Haupteingang.

Und den darf man auch als Fremd- oder Nichtgläubiger benutzten..

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Den richtigen Einstieg oder besser gesagt Aufstieg -die Camino Route ist identisch mit dem Lahn Höhenweg– zu finden, war zum Zeitpunkt meiner Reise nicht ganz einfach. Inzwischen ist dieser bestimmt besser ausgeschildert und es gibt auch die erwähnten Stempelstellen.

Es sind rund 28 Kilometer von Wetzlar nach Weilburg und ohne Pausen oder Besichtigungen kann man mit ungefähr 6 bis 7 Stunden Gehzeit rechnen. Eine der empfehlenswerten Besichtigungen wert, ist das Schloss Braunfels. Und das Städtchen mit Marktplatz und Cafe´s lädt zu einer Pause ein. Möglichst nicht zu lange..

Nach einigen Kilometern erreicht man Hirschhausen, ein Ort kurz vor Weilburg. Da gibt es neben dem 400 Jahre alten Tiergarten auch noch die achteckige Kirche aus dem Jahr 1763 zu besichtigen und wie in vielen Orten, erinnern Loren oder ähnliches an die Zeiten des Eisenerz Bergbaus.

Über Weilburg und sein Schloss zu berichten würde den Rahmen dieses Beitrags sprengen. Auf einer Radtour entlang des Lahn Radwegs habe ich da etwas mehr Zeit verbracht und vielleicht fasse ich diese Reise auch einmal zusammen. Als Startort für die nächste Etappe vorgesehen, gibt es dann aber auch ein paar Aufnahmen.

Ein Stück des Weges liegt hinter dir, ein anderes Stück hast du noch vor dir. Wenn du verweilst, dann nur um dich zu stärken, aber nicht um aufzugeben. (Aurelius Augustinus, lateinischer Kirchenlehrer und Philosoph 354-430)

7 Kommentare

  1. Ich bin mit meiner Frau 2012 von Saint Jean Pied de Port bis Santtiago de Compostela gelaufen . Also nicht die ganze Strecke zu Fuß, Teilstücke wie es viele machen mit Bus und Bahn. Wir waren drei Wochen auf dem Pilgerweg unterwegs . Ein Erlebnis, das ich mit wirklich guten Gewissen weiter empfehlen kann . Bleibende Erinnerunge und Kontakte die bis heute gehalten haben. Wir hatten immer den Wunsch, das noch einmal zu wiederholen. Mit meiner jetzigen Situation hat sich der Gedanke erst mal zerschlagen .

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    • Buen Camino! kann ich da nur sagen! Alle Achtung!👍 Und da du ja schon auf dem „grossen“ warst: Deine Situation wird hoffentlich bald wieder besser. Der Camino ist überall – auch da wo du wohnst. Und du wirst staunen, über das was du bisher übersehen hast.. Alles Gute!☀️☀️

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      • Wir sind häufig auf unseren Wanderungen auf Wanderwege gestoßen, die parallel mit dem Jakobsweg laufen . Man wundert sich in welchen Regionen es solche Wegführungen gibt . Im letzten Jahr bin ich in den Niederlande auf solch einen Weg gestoßen, er hat das gleiche Symbol der Jakobsmuschel, trägt dort aber einen anderen Namen . Hier gab es dann auch in einem Kloster den typischen Stempel . Ab der deutschen Grenze heißt er dann wieder Jakobsweg und führt über die Wallfahrtorte am Niederrhein .

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    • Oh je. mit Geschichte könnte ich meine üblichen schlechten Noten auch nicht ausgleichen. Ausser 333 ist da nicht viel hängengeblieben. Vielleicht lag es ja doch ausnahmsweise am damals troegen Unterricht. Oder am noch ewig gestrigen Lehrer.. 🙂 Es gibt noch einiges, mir bis dato auch Unbekanntes, auf den kommenden Etappen!☺️☺️ Schöne Woche!☀️☀️

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      • Also beim Geschichtsunterricht lag es ganz bestimmt am trockenen Unterricht! 🙂 Wenn ich damals gewusst hätte, wie spannend Geschichte ist, hätte ich vielleicht mehr Eigenmotivation mitgebracht. Da ich das aber nicht wusste … Geschichte gehörte zu den Fächern, die ich abwählte, sobald ich es konnte.
        Dir auch eine schöne Woche. 🙂

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      • Spannend wurde das Wissen damals nicht vermittelt. Es ging mehr um das Auswendig lernen der Jahreszahlen historischer Ereignisse. Ohne bildlichen Bezug..☺️Als ich 1954 ins Gymnasium kam war das Lehrpersonal eben nicht so optimal (vornehm ausgedrückt). Denen fehlte ja einiges in ihrer eigenen Geschichte..☀️☀️

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