Jakobus, Jakobsweg ???

Jakobus war der Sohn des Fischers Zebedäus und der Salome. Wie auch der ältere Bruder des Jüngers Johannes. Jesus gab den zwei Brüdern wegen ihres Eifers den Beinamen „Boanerges“Donnersöhne. (Markusevangelium 3.17)

Jakobus zählte, neben seinem Bruder und Petrus, zu den drei bevorzugten Jüngern Jesus, die bei der Verklärung und in seiner Todesangst im Garten Gethsemane, zugegen waren. Gemäss einer Überlieferung, verkündigte er nach Pfingsten in der Gegend um Samaria das Evangelium – bis er dann durch König Herodes Agrippa I von Judäa im Jahr 43 enthauptet wurde. Jakobus war somit der erste Märtyrer unter den Aposteln.

Die Legende schildert wie nach der Hinrichtung zwei Freunde den Leichnam stahlen, ihn nach Jaffa schafften und dort auf ein Schiff verluden. Dieses Schiff strandete an der Küste Galiciens. Dort wurde der Leichnam dann auf einen Ochsenkarren verladen. An dem Ort, an dem sich die Ochsen niederliessen, soll er begraben worden sein.

Das Grab geriet zunächst in Vergessenheit. Nach der Wiederentdeckung im 9. Jhd. wurde darüber eine Kapelle, später eine Kirche und schliesslich eine Kathedrale errichtet. Um diese herum entwickelte sich dann der Pilgerort Santiago de Compostela. Und zu dem führen jetzt alle Jakobswege.

Die erste Erwähnung des Jakobswegs stammt aus dem Jahr 1047, als in einer Urkunde des Hospitals von Arconda (ProvinzPalencia) die nordspanische Hauptverkehrsachse bezeichnet wird, als der Weg, der seit alten Zeiten von Pilgern des hl. Jakobus und Peter u. Paul begangen werde. Dies ist die erste urkundliche Erwähnung überhaupt und bringt den Weg von vornherein mit dem Grab des Hl. Jakobus in Galicien in Verbindung.

1987 rief der Europäische Rat dazu auf, die Jakobswege neu zu beleben. Das Jahrhunderte alte und teilweise schon vergessene Wegenetz des Jakobswegs rückte damit verstärkt ins Blickfeld von Regierungen, Vereinen und Initiativen.

Auch bei den neu eingerichteten deutschen Wegen berufen sich die Initiatoren immer auf Historisches. Fachleute haben jedoch längst herausgefunden, dass es zwar bekannte Hauptrouten auf den sog. Alt-Strassen gab – aber a l l e historischen Verkehrswege von Jakobspilgern benutzt wurden.

Jeder Weg kann also ein JAKOBSWEG sein..

Die Pilgerroute, egal auf welchem der vielen Jakobswege (alleine in Deutschland gibt es über 60 ausgeschilderte) ist mit einer stilisierten Jakobsmuschel markiert. Und die Furchen der Muschel symbolisieren die unterschiedlichen Wege zum gemeinsamen Pilgerziel. Die Richtung wird angezeigt, wo sich die Strahlen der Muschel treffen. Die meist auf dem Rucksack der echten Pilger baumelnde Muschel dient übrigens als Trinkgefäss.

Das Ziel des Jakobsweg ist, wie bereits erwähnt, das Grab des Apostel Jakobus. Es entwickelte sich im Mittelalter neben Rom und Jerusalem zum dritten Hauptziel der christlichen Pilgerfahrt. Das Domkapitel der Kathedrale von Santiago de Compostella hat es im Lauf des 12 Jhd. verstanden, sogar noch vor Rom und anderen Pilgerzentren, die erlösungstheologischen Lehren in bare Münze umzusetzen: Den Gläubigen wurde in einer einfachen Botschaft, die auch alle verstanden, ein versöhnender Christus vermittelt, dessen Wirken durch die Fürsprache des hl. Jakobus den Menschen zuteil werde. Mit der Einführung von Ablässen (gläubige Sünder konnten sich durch Zahlung einer Gebühr von ihren Sünden befreien lassen) und Heiligen Jahren wurde dies nach dem Vorbild Roms untermauert.

Im Mittelalter gingen also die Menschen auf den Jakobsweg um die Vergebung ihrer Sünden oder auch um eine Wunderheilung ihrer Gebrechen zu erwarten. Eine Jakobspilgerschaft zählte damals fast wie die Teilnahme an einem Kreuzzug.

Heute sind die Motive so verschieden, wie die Pilger. Fast jeder hat einen oder mehrere Gründe, den Jakobsweg zu gehen. Es könnte aber auch sein, dass den Wanderern der wahre Grund ihrer Reise bis zu deren Abschluss noch verborgen bleibt.

Viele der über 100.000 Pilger alleine auf dem camino frances jährlich, sind heute nicht mehr auf der Suche nach Gott, sondern zu sich selbst. Was ja auch nichts Schlimmes ist.

Alle Reisen haben eine heimliche Bestimmung, die der Reisende nicht ahnt. (Martin Buber (1878-1965)

Veröffentlicht von ruhland99

Man kennt mich - oder man kann mich (kennenlernen)..

8 Kommentare zu „Jakobus, Jakobsweg ???

  1. Danke Dir, aber wenn ich da an Deinen unerschöpflichen Fundus denke.. Mit Sicherheit genauso unterhaltsam und lernen kann man meist auch daraus. Oder lachen☺️☺️ Schönen Sonntag!☀️☀️

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  2. Danke für diesen schönen Bericht.
    Eine Kegelschwester von mir ist tatsächlich den Weg von Münster aus gegangen. Sie war arbeitslos und machte es in der Zeit zwischen Scheidung und 2. Hochzeit. Danach war sie der festen Überzeugung das richtige zu tun. 🌈

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    1. Von Münster aus ist das ja schon ganz heftig. Aber in rund 3 Monaten zu machen. In dieser Zeit jedoch das erneute Heiraten zu überdenken ist schon krass. Hoffentlich hat sie das nicht nur aus Langeweile (wegen Arbeitslosigkeit) getan..😅 Oder der Camino bestärkt auch den weltlichen Glauben..☺️

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      1. Ja – Hut ab vor ihrer sportlichen Leistung 👍Und als Frau alleine, ohne Unterkünfte vor zu buchen 👏
        Die beiden hatten sich schon vor ihrer Scheidung spontan auf einem bei uns endenden Kegelausflug verlobt. Danach war sie zu ihm gezogen. Und brauchte dann wohl Zeit für sich.

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