KULDIGA – Wiederbesuch erforderlich (eigentlich)

Das Wappen der Stadt besass bereits zur Ordenszeit ein Siegel, in dessen Zentrum die heilige Katharina von Alexandrien stand. In der rechten Hand hält sie das Richterrad, dem eine Kette mit einem Kreuz umhängt. In der linken Hand stützt sie sich auf ein Schwert. Diese heutige Form wurde 1938 offiziell genehmigt. Welch ein Hohn, meine ich.

Für ehrlicher, als Kirche (n) und Rathaus zusammen halte ich den Kanaldeckel.

Die Altstadt mit ihren zahlreichen Holzgebäuden aus dem 17. und 18. Jhd. gehörte zu den sehenswerten Punkten unseres Ausflugs. Das Venta Ufer mit Stromschnellen und Brücke habe ich mit meinem einzigen blackout auf unserer Reise total übersehen. Eigentlich eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten der kleinen Stadt. Vielleichts lag´s an der Hitze. Vielleicht auch an dem Nichtvorhandensein irgendwelcher Info Tafeln oder touristischen Hinweisen. Daher wäre ein Wiederbesuch erforderlich. Eigentlich.

Die Kirchen, die weil unbequemer als heute, geschwiegen haben, sind optisch recht beeindruckend. Innerlich waren sie aber damals schon leer. Das Stadtwappen eine Farce.

Die Fussgängerzone mit zahlreichen schönen Gebäuden aus den vergangen drei Jahrhunderten erinnert an eine Zeit, als hier Juden ansässig waren, friedlich mit den Bewohnern zusammenlebten und Handel trieben.

Die Synagoge taucht in den meisten Reiseführern kaum auf und wenn, dann beschreibt man sie heute so: „Das Synagogengebäude wurde nach dem Zweiten Weltkrieg als Lagerhaus genutzt und 1958 zu einem Kino umgebaut. Die Synagoge wurde 2011 renoviert und darin die Stadtbibliothek eingerichtet“.

Tatsache ist, dass 1939 in die 1875 errichtete Synagoge, sämtliche noch in der Stadt befindlichen Juden, hineingetrieben und zwei Wochen lang festgehalten wurden. Schwer bewacht von lettischen Faschisten. Die warteten auf den Einmarsch der Deutschen Wehrmacht und von dieser wurden die Männer in Gruppen zu jeweils 30 Personen, in ein nahegelegenes Waldgebiet gebracht und ermordet. Das dauerte ein paar Tage. Das zurückgebliebene Eigentum der Juden versteigerte man anschliessend unter den Bewohnern Kuldigas.

Über all den Gräueltaten wurde, wie auch anderswo, der Mantel des Schweigens ausgebreitet. Das ist, wenn auch schwer, gerade noch zu verstehen Bei einem Land, dass selbst mehrfach unter fremder Herrschaft gelitten hat. Unverständlich jedoch, ist die totale Negierung des Unrechts und die offene Ablehnung eines jüdischen Symphosiums einer jüdischen Kulturgemeinde. Auch die Verlegung von „Stolpersteinen, einem Projekt des Künstlers Günter Demnig, wurde widersprochen. Unter anderem vom Bürgermeister Kuldigas höchstpersönlich.. (alles, und noch viel mehr ist zu googeln).

Da erspare ich mir den Wiederbesuch.

Unsere Besondere Reise nähert sich mit Riesenschritten dem Ende. Kuldiga war ein kurzer Abstecher von der Westküste. Der werden wir noch 2 Tage folgen..

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