SAAREMAA

Unzählige Inseln säumen Estlands Küste. Wenigstens eine davon wollten wir besuchen. Saaremaa, die grösste Insel Estlands und viertgrösste Ostseeinsel überhaupt, erreicht man von Tallinn in knapp zwei Stunden. Man nimmt die Fährverbindung vom Festlandhafen Virtsu zur Insel Muhu und von dort geht es über einen befahrbaren Damm weiter.

Der drollige Inselname „Muhu“ hat nichts mit Landwirtschaft zu tun, er bedeutet Mohn. Die ziemlich isolierte Lage westlich des Festlands liess die Insel recht unbeeindruckt von der nach 1945 erfolgten Russifizierungspolitik der sowjetischen Besatzungszeit. Da endete ja bekanntlich die knapp 20 jährige Unabhängigkeit des Baltikums. Es dauerte dann bis 1991 zur erneuten Unabhängigkeitserklärung des auch schon oft genug besetzten Landes. In dieser Besatzungszeit war die Insel, aufgrund ihrer strategischen Lage an der Westgrenze der UdSSR und durch Präsenz der dort stationierten Militärs nahezu isoliert vom Festland. Selbst Esten benötigten eine Genehmigung um zur Insel zu gelangen. Heute leben hier 98 % Esten und nur 1,2 % Russen, dazu ein paar Ukrainer und Finnen.

Unbeeindruckt von irdischen Grenzen zeigte sich vor rund 7.000 Jahren ein Meteorit. Der liess sich seinen Besuch nicht verbieten und schlug einfach ein – ungefähr 20 km entfernt von der Stadt Kuressaare, in einem Wäldchen bei dem kleinen Dorf Kaali. Der Meteorit muss ungefähr 10.000 Tonnen schwer gewesen, mit 15 bis 45 km/h in die Erdatmosphäre eingedrungen und in etwa 5 bis 10 km Höhe auseinandergebrochen und in zahlreichen Stücken herabgekommen sein. Das grösste dieser Bruchstücke hatte immerhin auch noch so rund 80 Tonnen und krachte mit ca. 20 Km/h auf den Boden. Das Ergebnis dieses Einschlags wird mit der Explosion einer kleinen Atombombe verglichen. Geblieben ist ein Tümpel mit einem Durchmesser von 50 Metern, umgeben von einem 16 m hohen Erdwall und mehrere kleinere Krater. Für die Richtigkeit dieser Behauptungen kann ich genauso wenig garantieren, wie die entstandenen Mythen und auch von dem griechischen Autor Pytheas gemachten Aufzeichnungen..

In der Rangliste der Riesenkrater der Welt liegt der Kaali Krater an achter Stelle und das Kraterfeld auf Saaremaa ist das seltenste Naturdenkmal Estlands.

Kuressaare ist die einzige Stadt auf der Insel Saaremaa und ist gleichzeitig Verwaltungssitz des Kreises Saare. Der Name leitet sich vom Arensburg (niederdeutsch Adlerburg) ab und der Adler ziert (in Verbindung mit einer Burg) auch heute noch das Stadtwappen.

Es war der Schwertbruder Volkwin von Naumburg zu Winterstätten, der mit seinen frommen Brüdern im Jahr 1227 über die Insel herfiel und diese eroberte. Wie immer und fast überall auf dem Baltikum, herrschte dann anschliessend der Deutsche Orden. Die heutige Stadt bildete sich um eine Bischofsburg. Die Dänen kamen dann 1559 und später, im Jahr 1645 fiel die Stadt im Frieden von Brömsebro an das Königreich Schweden. Bis Ende des 17. Jhd entwickelte sich hier eine wichtige Handelsstadt und davon zeugen auch noch zahlreiche Bauten.

Die Bischofsburg ist eine der am besten erhaltenen mittelalterlichen Burgen im Baltikum und hat ihr ursprüngliches Aussehen bewahrt. Der Turm ist 29 m hoch und ein breiter Wassergraben hielt seinerzeit die Angreifer auf Distanz.

Unser Tagesziel war eine, einem Barackendorf ähnelnde, Ferienhausanlage, in der man es sich besser gut gehen lassen konnte, als deren Anblick vermuten lässt. Die Freundlichkeit der Gastgeber trug zu diesem Wohlfühlen deutlich bei

Wir werden wir auf der zweieinhalbtausend qkm grossen Insel noch eine Rundfahrt unternehmen, wenn wir schon ´mal hier sind..

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