TURAIDA und die gebrochene Rose

Für „Nicht Follower“ darf ich wiederholen: Turaida ist ein Ortsteil der Stadt Sigulda (Lettland). Es besteht eigentlich nur aus der Burg und den Touri-Einrichtungen. Die beschriebenen Szenen befinden sich auf dem linken Ufer der Gauja. Die Gauja ist ein 460 km langer Fluss in der historischen Landschaft Livland (lettisch Vidzeme oder deutsch Lettland). Der Fluss schlängelt sich über 100 km durch den gleichnamigen Nationalpark und dürfte einer der schönsten in Lettland sein. Fauna und Flora sind hier in allen Versionen reichhaltig und fast überall bewundernswert.

An unserem letzten Tag in dieser Region nahmen wir uns noch einmal Zeit für einen Besuch der Museumsanlage und des Schlossparks von Turaida. Auf dem Weg zur Burg passiert man zunächst den Volksliederpark. Hier wird immer zur Sonnwende, am 21. Juni, ein grosses Fest mit Konzert und lettischer Folklore gefeiert. Leider waren wir dafür ein paar Wochen zu früh an diesem Ort, dafür aber fast alleine..

Eine besondere Attraktion in diesem Park sind die 26 Skulpturen des Bildhauers Ranka, die sich über den ganzen Park verteilen. Diese befassen sich irgendwie mit dem lettischen Volksliedgut. Ich Banause habe das natürlich nicht gleich erkannt. Ich fand diesen Skulpturenpark aber trotzdem angenehmer, als den bereits beschriebenen Grutas Park, nahe Druskininskai.

Die Burg Turaida mit dem mächtigen Rundturm und der ebenfalls aus Backstein errichteten Festung ist die Hauptattraktion des Geländes und in der Hauptsaison dementsprechend besucht. Die Burg diente dem Bischof von Riga als Gegengewicht zu der auf der anderen Seite der Gauja befindlichen Festung des Schwertbrüderordens. Pacem in terris !

Grab der Rose von Turaida (1601-1621)

Wie ich schon in meinem Bericht von der Gutmanshöhle andeute, eine herzzereissende Liebesgeschichte – ohne happy end. Und die Geschichte gab es wirklich.

Da war die, von einem Burgschreiber einst nach einer Schlacht bei Turaida, in den Armen ihrer toten Mutter aufgefunden Waise, zu einer atemberaubenden Schönheit herangewachsene junge Dame Maij (lettisch Maija) mit dem Beinamen die Rose bezeichnet worden. Und ihre erste grosse Liebe galt dem aus Deutschland eingewanderten Schlossgärtner Viktor Heil. Sogar die Heirat war für 1620 schon geplant – na ja, die haben sich immer in der Gutmanshöhle getroffen, und nur wegen des kühlen Klimas dort wohl auch nicht..

Das gab dem polnischen Adligen Jakubovski aber noch lange nicht das Recht, die Kleine auch anzumachen. Natürlich hat er, wie alle männlichen Schurken, ihr auch eine Heirat in Aussicht gestellt (vielleicht aber nicht ganz so glaubwürdig). Weil sein Antrag abgelehnt wurde, wollte er nun dem Klassiker folgen: „Und bist Du nicht willig“ oder so..

Der Typ lauerte ihr dann in der Gutmannshöhle auf und da bat Maij ihn um Verschonung und bot ihm dafür ihr Halstuch an, mit dem Versprechen, dieses würde den Träger unverwundbar machen (was solche Typen ja immer brauchen können). Bei eventuellem Zweifel könnte er es ja an ihr selbst erproben.

Der „edle Herr“ war nicht nur gewalttätig, sondern auch ein wenig hohl im Kopf. Nach kurzer Bedenkzeit machte er die Probe aufs Exempel und schlug mit seinem Schwert zu. Maji fiel tot zu Boden. Am Abend fand Viktor seine Verlobte, beerdigte sie nahe der Burg und pflanzte eine Linde auf ihr Grab, mit dem Schwur einander, treu zu bleiben. Er wurde verdächtig und angeklagt, doch dann fand man den wahren Täter. Viktor verliess die Gegend und wurde nie mehr gesehen..

Heute noch, legen Jungvermählte Blumen auf das Grab, mit dem Schwur, einander treu zu bleiben.

Wir wären gerne noch ein wenig länger im Reich der Gauda geblieben. Aber die Reise geht weiter. Wir sind alte Rentner und haben das ganze Jahr Urlaub. Da gibt´s auf Reisen nix zum Erholen! Das kann man auch zuhause.

Appetit wil ich machen, auf die nächste Etappe unserer Besonderen Reise. Wir verlassen Lettland und überqueren die Grenze nach Estland.

Veröffentlicht von ruhland99

Man kennt mich - oder man kann mich (kennenlernen)..

2 Kommentare zu „TURAIDA und die gebrochene Rose

  1. Das stimmt, aber die Folklore Veranstaltungen werden überwiegend von „Eingeborenen“ besucht und auch wenn man die Sprache nicht versteht, bestimmt interessant. So ein Gedöns, wie bei uns machen die da (noch) nicht.

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