Im Nationalpark Gauja

Ein Besuch des über 90 Tausend ha grossen Nationalparks, dem die ihn durchfliessende Gauja seinen Namen gab, ist ein Muss für jeden, der Lettland gesehen haben will. Hier gibt es Landschaft pur. In allen denkbaren Variationen. Vor 350 Millionen Jahren entstandene Sandsteinformationen, dazu Felsen, Höhlen und viel, viel Wasser.

UNGURMUIZA ist nur ein kleiner Teil des riesigen Nationalparks, aber einen Besuch wert.

Der Gutshof des Barons

Ja, auch heute berichte ich von einem Hotel und Restaurant. Dieses Anwesen ist aber gleichzeitig das einzige noch erhaltene aus Holz gebaute Architekturdenkmal des Barock aus dem 18. Jhd. und einst von einem Baron von Campenhausen erbaut.

Die Famile Campenhausen wurde 1939 im Rahmen des Hitler-Stalin Pakts ausgesiedelt und floh 1945 in den Westen. Im Zweiten Weltkrieg wurden Haus und Einrichtung durch Soldaten und Plünderer erheblich beschädigt. Seit 2.000 ist die Wiederherstellung (noch laufend) im Gang. Es kommen regelmässig Vertreter der Familie Campenhausen zum Besuch ihres ehemaligen Familiensitzes. Besitzansprüche werden aber nicht mehr erhoben.

Heute ist der ehemalige Herrensitz im Eigentum der Gemeinde Raiskum und das Museum managt der Verein Ungurmuiza. Entstanden ist aus dem Landgut ein Hotel für 30 Übernachtungsgäste in diversen Gebäuden. Es gibt ein Restaurant mit noch moderaten Preisen. Angebote für Feierlichkeiten (bei unserem Besuch wurde gerade die Deko für eine Hochzeitsfeier angebracht) und Führungen durch Innen- und Aussenbereiche werden ergänzt durch gelegentliche Konzertveranstaltungen.

Der Park – zu Ehren Paul Waldens

Paul Walden war mir bisher unbekannt. Er war tatsächlich ein hochrangiger Wissenschaftler und arbeitete auf dem Gebiet der anorganischen und organischen, sowie der physikalischen Chemie. Wer mehr wissen will: Er schrieb ein Buch Geschichte der organischen Chemie seit 1880

Geboren wurde Paul Walden 1863 im damaligen Rosenbeck, Gouvernement Livland, Russisches Kaiserreich. Er studierte in Riga, Leipzig und München, sowie in Odessa und Petersburg. Nach dem Ersten Weltkrieg flüchtete er nach Deutschland und wurde 1919 Professor in Rostock. 1934 wurde er Mitglied der NSDAP und im NS Lehrerbund. Er war auch förderndes Mitglied der SS. Als 1942 nach einem Bombenangriff sein Haus in Rostock zerstört wurde, zog er ausgerechnet nach Frankfurt am Main – um da auch wieder ausgebombt zu werden. Im württembergischen Gammertingen verstarb er 1957

Unbeirrt der buntschillernden Geschichte des lettischen Nationalhelden, erfreuen wir uns an dem grosszügig angelegten Park des ehemaligen Guts eines Barons.

Um den Gauja Nationalpark komplett kennenzulernen. hätten wir unsere Besondere Reise hier für ein paar Monate unterbrechen müssen. Das ging dann doch nicht, aber ein paar Tage haben wir uns gegönnt. Wir blieben noch ein wenig im Park und berichten davon.

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