MEMELLAND – zogen einst fünf wilde Schwäne..

wir wählten die orangene Route entlang der Memel

Als wir zu meiner Schulzeit dieses Lied sangen bekamen wir keine Erklärung über den Ursprung. Es wurde Anfang des 20. Jhd. im Raum der Danziger Bucht geschrieben und handelt von den Folgen des Kriegs. Wer nun wirklich den Text geschrieben oder die Melodie hinzugefügt hat, ist angesichts des Inhalts, nur von marginaler Bedeutung. Eher die Frage: Welcher Krieg? – von den unzähligen, die in diesem Gebiet schon tobten.

Memelland ist das Gebiet nördlich der Memel. Ein altes Kulturland. Einst lebten da die Kuren. An der gesamten Ostseeküste von Samland bis Russland. Aufgrund einer KLIMAVERÄNDERUNG (im 12. Jhd. !), das Land wurde feucht und sumpfig, zogen sich die Bewohner zurück in den kalten, aber trockenen Norden. Doch als hervorragende Seeleute (und ein bißchen Piraten..) kamen sie immr wieder ´mal in die alte Heimat. Im 14 Jhd. veränderte sich das Klima erneut, es wurde wieder trockener. (Bei unserem Start, siehe obiges Bild, kaum zu glauben..). Sie kehrten also wieder zurück.

Zwischendurch: Vielleicht ist deshalb auch die Wassermess Station so wichtig. Nein, hier an der Memel wird der Pegel aus anderen Gründen gemessen.

Die Kuren hätten ihr gewohntes Leben führen und sich weiterhin von Landwirtschaft und Fischfang ernähren können. Wäre da nicht aufgrund einer Mauschelei zwischen Bischof Albert von Livland und Graf Konrad von Dortmund der Deutsche Orden zum „missionieren“ gekommen. Die Dortmunder beteiligeten sich mit 23 Schiffen am „missionieren“. Pacem in Terris

Dann kam der Schwertbrüder Orden zum Erobern und baute zunächst eine hölzerne Burg. Als sich der Bischof von Kurind mit dem Orden einigte wurde die Stadt Memel gegründet. Fast hätte sie, weil viele Einwohner von da hergezogen sind, den Namen Neu Dortmund erhalten. Es folgten etliche Städtekriege, u.a. mit Danzig und über 200 Jahre Streitigkeiten mit Königsberg. Eigentlich ein Krieg nach dem anderen, bis in die Neuzeit.

Nach der Reformation hiess das Gebiet dann Deutschordenland und gehörte zum preussischen Kaiserreich. Später kamen die Russen und ein kleine Weile war es selbständig als Königreich Litauen. Es gibt wenig Länder, in denen die Bevölkerung so viele Kriege und Fremdherrschaft erdulden musste.

Entlang der Memel liegen die historischen Schlösser des Landes. Sie dienten (umständehalber) auch als wehrhafte Burgen an der stets umkämpften Grenze. Später residierten hier einflussreiche Adelsfamilien von Litauen.

Der Glanz der ehemaligen Lustschlösser, mit teilweise bedeutenden Kunstsammlungen, lässt sich heute nur noch erahnen. Mit etwas Phantasie kann man sich aber die frühere Glanzzeit, mit festlich erleuchteten Räumen und feiner Gesellschaft in edlen Roben, in den Sälen vorstellen.

Nach Wiedererlangung der Souveranität Litauens geht es derzeit auch an die Wiederherstellung der alten Kulturgüter. Die EU hilft und an einem, weiter oben gezeigten, Beispiel kann man sehen, dass es auch voran geht. Möge sich bitte keiner über den Zustand der Gebäude ereifern. Hier gab es keinen Marshallplan. Hier kümmerten sich die, nun abgezogenen, Herren aus Moskau nicht für fünf Pfennige um den Erhalt.

Vergessen sollte man keinesfalls, wer die für die (noch) trostlosen Zustände, aber vor allem auch für die Gräuel von denen diese Steine zeugen, verantwortlich war.

Aufgrund des Regens haben wir unsere geplante Route etwas geändert und sind direkt zu unserem Etappenziel gefahren. Aufgehoben ist nicht aufgeschoben. Mit ein paar km Umweg liess sich das Versäumte am übernächsten Tag nachholen. Am späten nachmittag erreichten wir Druskininkai. Diesen Kurort beschreibe ich in meinem nächsten Beitrag.

7 Kommentare

  1. Lassen wir Tallin in Estland und fahren zu Besuch hin. Die hatten in den letzten Jahren genug Zirkus. Zu deiner Zeit war das ja wohl noch Russland, manches erinnert noch daran. Schönes WE im unruhigen Thüringen ☺️

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  2. Stimmt, Rainer hat da was wahres geschrieben: Die Architektur erinnert mich an so manschen Bau im Norden Deutschlands, in Dänemark und im Süden Schwedens… Baltikums-Architektur?

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  3. Der Baustoff Holz z.B. bot sich geradezu an. Genau wie auf unserer Reise zum Nordkap: ein paar Hundert km durch den Wald. Und wie den Bayern die Zwiebeltürmchen ist denen ab einem bestimmten Breitengrad auch vieles ähnlich. Bis auf die Bauten der deutschen christlichen „Missionierer“. Aber es gibt auch Modernes. Die „Besondere Reise“ geht weiter☀️☀️

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