Die Nehrung

KURISCHE NEHRUNG?? Nehrung nennt man einen natürlichen, durch Wellen entstandenen Abschnitt, der das Brackwasser vom eigentlichen Meer trennt. Der „Brackwasser Teil“ wird anderorts auch als Lagune, Bodden oder Haff bezeichnet. Auf der ADAC Info sieht die Kurische Nehrung wie ein riesiger Staudamm aus. Und hier kann man auch die Grenze zum russischen Teil des Kulturerbes erkennen. Russland hält die Hälfte der ca. 100 km langen Nehrung. Die Grenze ist kurz hinter Nida und weil die Natur keine Unterschiede in der Landschaft macht und ein Visum unverschämt teuer ist (in Anbetracht der paar Stunden, die wir zur Verfügung hatten), beschränkten wir uns auf den litauischen Teil der sichelförmigen Halbinsel, oder „Nehrung“. Der Name Kurische Nehrung geht auf einen ehemaligen baltischen Volksstamm zurück.

Von Klaipeda (den früherne Namen Memel benutze ich aus Respekt gegenüber dem Land Litauen nicht (lediglich für die nächste Etappe nehme ich das Wort Memelland noch einmal als geographische Bezeichnung, abseits jeglichen politischen Denkens. Ich werde auch das Wort Russland verwenden, ungeachtet der derzeit gültigen Staatsbezeichnung), starten wir am ersten Tag auf eigenen Rädern zur Kurischen Nehrung. Wer jetzt enttäuscht fragt warum es hier keine Infos über Klaipeda gibt, möge beruhigt sein: Das Käthchen kann warten, dieses „Date“ findet kurz vor unserer Abreise statt. Und das dauert eben noch ein paar Tage..

Nach Übersetzen mit einer kleinen Autofähre kann man auf einer gut ausgebauten (einzigen) Strasse die komplette Nehrung durchfahren, im Prinzip bis Kaliningrad. Von den sechs anzutreffenden Städtchen wählten wir zunächst Nida aus. Eine Erinnerung an meine Frankfurter Heimat. Da gibt es ein kleines Nebenflüsschen des Mains. Und auf diesem verbrachte ich in meiner Jugend einen großen Teil meiner Freizeit..

Wer schon einmal meine Homepage besucht hat, kennt auch die Geschichte der Riesin Neringa und weiss, dass wir schon auf ihrem Stuhl gesessen haben. Und wie mein kleines Bötchen zu seinem Namen kam.

Das Tal des Schweigens (ich weiss, westlich des Mt. Everest gibt es auch ein Tal mit diesem Namen und das ist sogar das höchstgelegene der Welt) ist unter Umständen auch identisch mit dem „Tal des Todes“ , so etwas wird in den Reiseführern ja aus guten Gründen nicht erwähnt. Hier war 1872 ein Lager für französische Kriegsgefangene eingerichtet. Aufgrund schlechter Lager Bedingungen kamen viele der Gefangenen ums Leben. Es macht keine Umstände, derer auch kurz zu gedenken.

Um die genaue Uhrzeit festzustellen wandert man am besten auf die Parnidder– oder auch Hohe Düne. Da steht seit 1995 eine Zeitmesser besonderer Art: Ein knapp 14m hoher Obelisk wirft seine Schatten auf einen kreisförmigen Platz. Dessen Stufen symbolisieren die Uhr. Im Obelisk sind diverse Kalender und Runensymbole, nach Muster eines Kalenders aus dem 17. Jhd., eingraviert.

Nach erfolgtem Zeitvergleich erfahren wir auf der einen Hinweistafel noch etwas mehr über die Sonnenuhr und die andere Tafel bestätigt mehr oder weniger, dass wir im Paradies gelandet sind. Wer (wie bei allen Bildern) das Bild anklickt, kann das dem Text entnehmen

Hier oben auf der Düne ist der einzige Platz in Litauen, wo man sehen kann, wie die Sonne frühmorgens aus dem Haff auftaucht und abends wieder in der Ostsee versinkt. Man, ich natürlich nicht, bin doch kein Frühaufsteher..

Die Aussicht entlockte Eva die Bemerkung, es sähe ja fast so aus, wie in Italien. Recht hatte sie, (wie meistens). Thomas Mann, der sich in Nida ein Ferienhaus baute, bemerkte: „Denkt man sich alles verfünffacht, so meine man in der Sahara zu sein. Keine Wege, alles Sand, Sand und Himmel“. Aber schon 1809 schrieb der Gelehrte Alexander von Humboldt in einem Brief an seine Frau: Die Kurische Nehrung ist so merkwürdig, dass man sie eigentlich ebenso gut als Spanien und Italien gesehen haben muss, wenn man einem nicht ein wunderbares Bild in der Seele fehlen soll“.

Es gibt noch viel zu erzählen von dieser Gegend. Vielleicht noch, dass hier vor rund 500 Jahren die Leute die vorhandenen Kieferwälder abholzten und damit die Dünen so verärgerten, dass sie zu wandern anfingen. Mindestens 14 Orte haben sie dabei unter sich begraben. Manche Orte zogen sogar zweimal um und wurden doch von den Sandmassen wieder eingeholt. Wie war das noch mit der „Umweltsau“?? Erst die Neuanpflanzung von Kiefern im 19. Jhd. beruhigten die Dünen wieder. Im Gegenteil, heute schrumpfen sie sogar. In den letzte 30 Jahren haben sie ca. 25 m eingebüsst. Da ist es verständlich und wichtig, dass man beim wandern auch brav auf Treppen und Wegen bleibt.

Der Hafen der Gemeinde Nida ist sowohl Passagier-, als auch Fischereihafen. Und natürlich auch für private Sportboote geöffnet. Er wurde Ende des 19. Jhd eingerichtet und sogar eine Dampfschiff-Werft gab es. Im Sowjetlitauen (!) wurde dort eine Fischerei Basis errichtet. Inzwischen sind Zollamtsgebäude und ein Teil der alten Fischerwohnungen abgerisssen. Der Tourismus erobert das Land. Luxus Hotels werden folgen.

Zurück geht es nach Klaipeda und die nächste Etappe führt, entlang der russischen Grenze, durchs Memelland nach Druskininkai, dem „litauischen Karlsbad“.

2 Kommentare

    • Auch ich kannte die 3 Staaten nur aus dem TV zu Zeiten derer Unabhängigeitsbestrebungen. Zumindest in meiner Schulzeit hat man das auch nicht als Lernstoff gehabt. War ja das böse Russland. Oder und genau so schlimm, Teile des Deutschen Reichs. Mit letzterem machten sich manche Vorturner einiger Verbände eine goldene Nase. Um dann a‘ la Steinbach zur AfD abzudriften. Die Landschaft des Baltikums ist grandios und die Menschen famos. Es gibt noch einiges zu sehen, auf der „Besonderen Reise“☀️

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