Ehrbares Kaufmannstum

Es gab sie wirklich, die Zeit der „ehrbaren Kaufleute„. Und es mussten nicht unbedingt Hanseaten sein, die diese Vokabel verdienten. Auf den Charakter kam es schon immer an und selbst heute findet man diese Tugenden gelegentlich noch:

Kaufmännischen Wagemut, Gediegenheit, Verlässlichkeit. Da genügte auch noch der Handschlag.

Mit 1.000 Talern Startkapital eröffnete Rudolf Karstadt am 14. Mai 1881 in Wismar sein erstes „Tuch-, Manufaktur- und Confectionsgeschäft“. Seine neue Geschäftspolitik- billige, feste Preise und nur gegen Barzahlung – war damals noch ungewöhnlich. Der Erfolg gab ihm jedoch Recht. Bereits im Jahr 1906 unterhielt Karstadt 24 Kaufhäuser in Norddeutschland. (Text Karstadt)

Um so bedauerlicher, die Chronologie dieses Unternehmens. Ein Wirtschaftskrimi der Sonderklasse und filmreif. Diese Unternehmensgeschichte ist absolut lesenwert. Heute mit 79 Warenhäusern und gerade noch (ungeachtet der in 2020 erwarteten, bescheidenen 20 Millionen Euro Verlust) dazugekommenden Sporthäusern, hat GALERIA Karstadt Kaufhof (wie seit Januar 2020 die neue Firmenbezeichnung lautet) seinen Sitz in Essen. Der Eigentümer heisst Rene`Benko, ein selfmade Milliardär aus Innsbruck, und handelt eigentlich mit Immobilien. Im ganz großen Stil und sehr vertraut mit dem Österreichischen Staatsoberhaupt. Bei Benko´s Vita könnten einem ehrbaren Kaufmann durchaus berechtigte Zweifel kommen. Aber es ist ja bisher immer alles mehr oder weniger gut gegangen. Obwohl der vorige Besitzer Nicolas Berggruen (der das Unternehmen seinerzeit für 1 (!) Euro an Benko verkaufte, noch meinte: „Niemand kann ein Unternehmen auf Dauer gegen die Gesetze der Ökonomie führen“.

Will das Benko überhaupt, die Immobilien sind doch das Wesentliche und für die Angestellten wurde ja Hartz 4 erfunden – „ehrbares Kaufmannstum heute..“

4 Kommentare

  1. Ich kann das bestätigen, ich hatte das Glück in den 90ern einem (einzigen) solchen Exemplar zu begegnen, Dr. Ernst Becker aus Köln. Ein Rheinischer Kaufmann, knorrig, aber ehrlich, bei dem das Wort noch galt und auf das man sich verlassen konnte.

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  2. Ich hatte Kunden, die kauften am Telefon Autos von mir und das ging über 10 Jahre ohne irgendwelche Probleme. Man lebt ja schließlich nicht nur vom Gewinn, der gute Ruf ist mindestens genau so wichtig. Erfreulich war es für mich, hier an meinem neuen Wohnsitz, ein Haus gebaut zu bekommen und auch nicht eine nennenswerte Reklamation vornehmen zu müssen. Geht doch, egal wo. Es gibt sie noch, „die Ehrbaren“☺️☺️

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