U 995

U 995 hat seinen letzten Platz, aufgebockt als „technisches Museum“ , vor dem Ehren- oder auch Mahnmal der Marine in Laboe gefunden. Demilitarisiert und nie mehr zu einer Feindfahrt bereit.

Für jemanden, wie mich, der ja nicht gedient hat, ist es immer wieder beeindruckend, wie sich der menschliche Geist gerade in der Entwicklung von Kriegsgerät austoben kann. Wenn es nur bei der Technik bliebe. Beeindruckend fürwahr, was man hier sieht. Es fehlt allerdings ein bestimmter Geruch. Nach Angst zum Beispiel, wenn Wasserbomben (noch) neben dem Boot einschlugen und das Schiffchen fast Purzelbäume im Wasser schlagen liess. Oder wenn, bei längst eingetretenem Stromausfall, der Blick auf die Leuchtziffern der Uhr das große Rechnen um die verbleibende Zeit des zuende gehenden Sauerstoffs beginnen liess. Man muss einmal mit jemandem gesprochen haben, der solche Momente an Bord überlebt hat. Ich kannte so jemanden, der erzählte bestimmt keine Märchen..

„Für dich (hier ist die Heimat gemeint) fahren wir den lauernden Tod im Torpedorohr, ran an den Feind, U Boot vorAlle Rohre klar und Feuer Frei, unsere Aale gehen nicht vorbei – zuerst kommt ein Tanker dran, schon läuft der Torpedo und zündet ihn an – Da leuchtet am Himmel ein feuriges Fanal. Als ein Gruß an unseren Admiral.

Diese motivierenden Zeilen stammen aus dem Volkslied Wir haben Tag und Nacht (U-Boote vor). „Verfasser und Musik unbekannt, ein Propagandalied aus der Zeit des deutschen Faschismus“, so ist es im Netz zu lesen. Merkwürdig – google ich U-Boot Lied, so kann ich nicht nur das Lied mit der dazugehörigen Melodie hören, ein Filmchen über eine (Übungs) Torpedierung ist damit unterlegt..

U 995 galt schon bei seinem ersten Einsatz als veraltet. Die Anfangserfolge der deutschen U-Boot Kriegs waren da aber auch schon Geschichte.. Schon kurz nach dem Auslaufen und auf der Suche nach einem Geleitzug wurde U 995 von einem Flugboot beschossen und beschädigt. Die nötigen Reparaturen wurden in Trondheim erledigt und dauerten 3 Monate. Die nächste Kampfaktion endete mit einem Beschuss durch einen B-24 Bomber. Da brauchte es dann wieder 4 Wochen Reparatur zur Herstellung der Tauchfähigkeit.

Nach drei Monaten ohne Erfolg wurde der Kommandant seines Amtes enthoben (ein angestrengtes Kriegsgerichtsverfahren, wegen angeblicher „Feigheit vor dem Feind“ konnte gerade noch abgewandt werden. Er wird wohl die hoffnungslose Unterlegenheit seines Bötchens gegen einen kompletten Geleitzug erkannt haben. Neuer Kommandant wurde ein 21 jähriger Oberleurnant zur See der Reserve. Der schaffte es dann in kürzester Zeit zum Ritterkreuzträger.

Als erste Heldentat fuhr der Junge nassforsch, ohne dazu einen Auftrag zu haben, ohne geeignetes Kartenmaterial und ohne überhaupt zu wissen, ob da gegnerische Schiffe lagen, in denHafen Kirkenes ein und torpedierte da einen vor Anker liegenden Frachter. Versenkt hat er ihn nicht, aber vielleicht die Besatzung erschreckt. Obwohl das Unternehmen fast zum Verlust des U-Boots führte: Für seinen Mut bekam er das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes als Tapferkeitsauszeichnung.

Bei den folgenden sechs oder sieben Feindfahrten hatte er dann auch das Versenken in den Griff bekomen und zweihundert Mütter mehr hatten Grund zu trauern.

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