NEUBURG (Mecklenburg) – in Großer Zeit..

„In Silber, im Schildfuß im blauen Gewässer mittig ein nach rechts gekehrter silberner Fisch, darüber eine gewölbte goldene Steinbogenbrücke, über die sich eine ausladende rote Burg mit drei Türmen und jeweils fünf überstehenden Zinnen erhebt.“ Gefehlt hätte mir persönlich und immer auf Gründlichkeit bedacht, bei dieser Blasonierung eigentlich noch die Anzahl der Steine..

Nein, Neuburg in Mecklenburg ist wirklich nicht der Nabel der Welt. Und es gibt auch nicht allzuviel zu sehen in diesem, nahe Wismar und ca. 12 km von der Ostseeküste gelegenen, aus 14 Dörfern (oder vielleicht doch eher Gutshöfen) zusammengesetzten) Städtchen. Urkundlich erwähnt 1219 und der Name deutet auf zwei obotritische Burgen hin. Diese sind längst nicht mehr da. Die Backsteinkirche, eine der ältesten Dorfkirchen Mecklenburgs, die steht noch!

Beachtenswert die Bauzeit von rund 24 Jahren. Von wegen lang, denken wir bloß ´mal an BER. Vom Kölner Dom wollen wir gar nicht erst reden. Da brauchte man zur Fertigstellung über 600 Jahre..

Ob es am Kölsch oder am Rheinwein lag ist nicht überliefert. Die Kölner haben 1360 angefangen und als der erste Turm noch nicht einmal 160m hoch war, einfach aufgehört und Frühstück gemacht – über längere Zeit und auch wohl öfter als von der Gewerkschaft gefordert.

Es war eine Zeit, in der die Edda ihen Platz in der Weltliteratur fand und man sich anderorts über höfische Etikette Gedanken machte: Da wurde erörtert,dass der Minnedienst nicht mehr so gesittet und in festen Formen abgeleistet wird. Die Frauen hätten ihren Anstand verloren, behauptete der eine Ritter (dieser Trottel, hätte er sich doch freuen sollen -meine ich). Die Frauen wiederum jammerten, die Ritter seien nicht mehr so wie früher, seien verroht und schätzten Jagd und Weingenuss höher als die Frauen. Unvorstellbar!

Es war auch eine Zeit, in der die Inquisition blühte. Da hatte der Papst Honorius III den dringenden Wunsch an Kaiser Friedrich II geäußert, da endlich entsprechende Massnahmen zu ergreifen. Weil der dem nicht so richtig nachkam, verfügte dann der Kollege Gregor IX im Jahr 1231 zur Verfolgung der Ketzer kirchliche Gerichte einzusetzen. Da gab es dann so richtig peinliche Befragungen und als der Papst Innozenz IV in einem Schreiben die Weisung losliess, bei Inquistionen doch endlich die Folter einzusetzen, erfanden die Scharfrichter immer neue Versionen um die Wahrheitsfindung zu beschleunigen. Nach ihren Geständnissen verbrannte man die Deliquenten auf einem Scheiterhaufen. Damit rettete man via Fürbittgebet wenigsten noch ihre Seelen für die Kirche..

War man sich wirklich einmal nicht ganz so sicher (eigentlich unvorstellbar), so gab es zur Entscheidungsfindung ja immer noch die Hexenprobe: Sank die Beschuldigte unter, war sie unschuldig. Ganz einfach..

Wer sich aber dennoch mit dem Papst anlegte, wie Kaiser Friedrich II, der wurde eben zum Kirchenfeind erklärt und bekam, vom Stellvertreter höchstpersönlich, den Bannfluch.

Wie schön, dass alles vergänglich ist und es stets ein neues Blatt in der Geschichte gibt.

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