JESENDORF – Adel, Klerus, Vermögen..

„Geteilt, oben in Gold ein vierflammiges Feuer, unten in Blau ein achtspeichiges goldenes Rad“ – so die Blasonierung des Wappens von Jesendorf. Die vier Flammen beziehen sich auf die 2008 entdeckten vorzeitlichen Feuerstellen. Aus dieser Entdeckung hat das Land aber auch absolut Null gemcht. Es findet sich noch nicht einmal ein touristischer Hinweis – wohl um den dortigen Kiesabbau nicht zu gefährden.. Das Rad verweist angeblich auf Landwirtschaft und Autobahn. Letztere gab es vor der Wende ja nicht und so ist das Wappen auch relativ neu. Die Farben mögen die Zugehörigkeit zum Landkreis Mecklenburg betonen.

Das Ort liegt ca. 15 km von Wismar und umfasst drei kleine Gemeinden, entstanden aus Gutshöfen. Alle aus dem Besitz der von Barners, von Bülows und ähnlichen Wohltätern, denen ja fast halb Mecklenburg gehörte. Bei einer Recherche habe ich bei einer Einzelaufstellung die Übersicht verloren. Man hatte, und zwar reichlich. Aber erst, nachdem die ursprünglichen Herren, die Slawen (von Prisbilaw regiert) nach dem Eroberungsfeldzug von Heinrich dem Löwen christianisiert und nach einigen Kämpfen dann auch teilweise adlig (und damit ruhig gestellt) wurden. Den Herrn „da Oben“ wird´s gefreut haben. Vor allen Dingen weil ja zu dieser Zeit die Bischöfe nicht nur den Zehnten kassierten, sondern ihre Finger in allem, was mit Ländereien und Vermögen zu tun hatte, drin hatten. Da kann man dann auch eine Kirche bauen.

Und so geschah das dann 1338. Zu einer Zeit, als in Deutschland die Inquisition auf Hochtouren lief und die Mongolen gerade das Fürstentum des Russen Wladimir überrannten.

Auf die Mehrkosten der paar Gruften für die Prominenz kam es nicht mehr an. Wie bereits erwähnt: Man hatte..

1782 wurde das gesamte Hofgut von der Familie derer von Barner gekauft und bewirtschaftet, das ging recht kommod, das angrenzende Gut Trams hatten sie ja bereits.

Gutshaus

In der 2. Hälfte des 19 Jhd. liess sich ein vermögender Wismarer Bürger in Sichtweite der Kirche ein Landhaus im englischen Stil erbauen. Er übergab das 1903 in löblichem Familiensinn dann an seinen Neffen, einem Senator, mit dem diesem Haus angemessenen Namen König. Wie junge Leute so sind, immer Geld brauchend, verkaufte der Schlingel das Häuschen gerade ´mal zwei Jahre später an den Rittergutsbesitzer von Troll. Als dieser starb hielt es seine Witwe bis 1926 um es dann an eine Gräfin zu verkaufen.

1932 merkte die Gräfin, dass die Landwirtschaft vielleicht doch nicht das Richtige für sie war. „Schwierige landwirtschaftliche Verhältnisse“ gab sie als Grund für den Verkauf an. Der Käufer, ein dänischer Bauer hat diese irgendwie gemeistert und behielt das Haus bis 1962 (also auch zu DDR Zeiten) um dann nach Dänemark zurückzukehren. Nun war es Volkseigentum. Über die Nutzung konnte ich nichts nachlesen.

Nach der Wende ging das Haus „in Privatbesitz“ über und wurde gründlich saniert. Die Inhaberin vermietete einige Räume für Veranstaltungen, Feiern und sogar trauen lassen, konnten sich dort die (begüterten) Heiratswilligen. Als ich die offizielle Preisliste für das stundenweise Anmieten von Räumen oder Kellerbar durchlas, war mir sofort klar wo ich meinen 100sten nicht feiern werde. Vor allen Dingen, weil da um 22:00 alle das Haus wieder verlassen müssen. Madame braucht wohl Ruhe..

Leider ist über den damaligen Kaufpreis und die Instandsetzungskosten nichts bekannt. Nicht, dass ich neugierig wäre. Ich doch nicht. Viel mehr stiess ich, eine kurze Zeit nachdem ich die Aufnahmen gemacht hatte, im Herbst 2019 im Internet auf eine Verkaufsanzeige:

“ Lebensqualität in allen Facetten. Herrschaftliches Anwesen mit Gutshaus in Ostseenähe. 21 Zimmer, 3 Badezimmer, 710 qm Wohnfläche und 12.323 qm Grund, vollständig renoviert“. Und ganz wichtig: mit Energieausweis, irgendwie muss ich doch dann an Heizung oder so sparen. Wenn es am Wochenende endlich ´mal klappt mit dem Lottogewinn. Hätte ja auch in meiner Jugend etwas zur Seite legen können, ich Trottel. Jetzt ist es da, das Schnäppchen und mir fehlen fatalerweise die letzten € 1.485.000 – vielleicht lassen die Verkäufer ja noch mit sich handeln..

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