BRUEL, Kleinstadt mit Geschichte

Gespalten in Rot und Gold ein halber Stierkopf mit schwarzen Hörnern, hinten am Spalt ein halber sechsstrahliger goldener Stern, darunter ein aus dem Spalt nach links wachsendes, gestelltes goldenes Dreiblatt – so die Blasonierung.

Kurz und präzise. Und wie meistens auch zum Nachdenken anregend: Was ist hier gemeint? Viehhaltung ist für mich Laien erkennbar, Kraft und Stärke aber gemeint. Und der halbe Stern erinnert mich eigentlich an einen Sowjetstern. Genauer gesagt an frühere Automobilkennzeichen. Und zwar der Fahrzeuge einer in Franfurt am Main ansässigen Militärmission. Für das Blatt habe ich dann keine Verwendung gefunden. Man möge mir meine Unwissenheit verzeihen..

BRUEL, der Name entstammt dem slawischen bryla, was Erd(Schollen)Platz bedeutete, liegt etwa 30 m von Schwerin oder Wismar entfernt. Ähnlich wie Bad Kleinen, aber auf der anderen Seite (und ein paar km vom Ufer entfernt) des Schweriner Sees. Spätere Namensnennungen waren noch Bruil, Bruyle oder Broile oder sogar Brüle. Keinesfalls ist es aber Namensgeber für den BROILER..

In dieser landschaftlich reizvollen Gegend haben sich schon in der mittleren Steinzeit, also 8000 bis 4000 v.Chr., Nomaden niedergelassen. So genau wollen wir es mit der Jahreszahl nicht nehmen. Ganz schön lange her sollte genügen. Man fand jedenfalls Funde aus dieser Epoche. Spuren von Häusern, Keramikscherben und Steingeräte.

So zwischen dem 6. und 12. Jahrhundert war die Gegend in slawischer Hand. und es gab da auch schon eine Burg. Die hat Heinrich der Löwe auf einem Eroberungsfeldzug im 12. Jhd. zerstört und eine neue und größere errichtet. Im 16.Jhd. wurde auch die dem Erdboden gleichgemacht. Die Umstände sind unbekannt.

1222 wurde das Dorf in einer Urkunde des nahegelegenen Antoniterklosters Tempzin (über dieses Pilgerkloster habe ich bereits einen Beitrag eingestellt) das erst Mal erwähnt. Den Stadtbrand von 1485 überstand Bruel und auch den 30 jährigen Krieg. Später des Öfteren mit Schenkungen bedacht, aber auch des Öfteren Teil eines Besitzwechsels der Herren von Plessen, von Lützow und von Kohlhans und wie sie alle hiessen..

1708 herrschte dann der Herzog Friedrich Wilhelm zu Mecklenburg Schwerin. Bruel entwickelte sich zu einer richtigen kleinen Stadt und einige Häuser zeugen noch von dieser Entwicklung.

Sehenswert sind die Stadtkirche aus dem 13. Jhd.. Hier werden auch gelegentlich Konzerte gegeben und das Rathaus von 1878.

Kurios, dass man 1845 durch den Rat der Stadt und auch des Bürgermeisters dem Dichter August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (u.a. Alle Vögel sind schon da, Der Struwwelpeter“) das Bürgerrecht verweigerte. Dieser arbeitete nämlich gelegentlich auf einem nahegelegenen Rittergut. Seine politischen Ansichten waren hier wohl nicht gefragt. Unverständlich, hatte er doch 1841 schon das Lied der Deutschen verfasst. Immerhin, die dritte Strophe hat überlebt..

2 Kommentare

  1. Ich denke, sobald das Klima es wieder zulässt, werde ich mich doch einmal der DB anvertrauen und eine Reise nach Schwerin oder Wismar wagen. Deine toll recherchierten Berichte machen mich zunehmend neugierig; und Deine Fotos tun ein Übriges!
    Liebe Grüße,
    Werner

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