HAGENOW – interessant..

Nein, nein – Bischofssitz war die kleine Stadt, ca 30 km von Schwerin entfernt, niemals. Auch wenn das Stadtwappen es zunächst vermuten lässt. In ganz Mecklenburg-Vorpommern ist dieses auch das einzige mit einer Heiligendarstellung. Die meisten anderen haben ja Ochsenköpp oder so, als Symbol ihrer Stärke. Aber schon 1420 erschien diese Darstellung des heiligen St. Dionysius, dem ersten Bischof von Paris (!) und einer der 14 Nothelfer, die im Mittelalter vom gemeinen Volk verehrt wurden, auf einer Urkunde im Hagenower Siegel. Und 1858 legte Großherzog Friedrich Franz II dies als offizielles Wappen fest. In Rot das Brustbild eines hershenden Bischofs mit natürlicher Gesichtsfarbe, silbergrauem Haar, rot verzierter goldener Bischofsmütze und goldenem Gewand, so die Blasonierung.

Hagenow wird, nach meinen Recherchen, erstmals 1194 urkundlich erwähnt. Und zwar im isfriedschen Teilungsvertrag. Da standen aber bereits eine Kirche und sogar eine Burg. Wer diese erbaut hat ist nicht zu ersehen – wahrscheinlich die Slawen. Dieser Teilungsvertrag ist von Interesse, weil sämtliche in diesem Vertrag aufgeführten Orte (halb Mecklenburg..), allesamt Stiftsgüter (so erklärt sich auch das Wort „stiften“) ihren Zins an das Bistum Ratzeburg abgeben mussten. Und so ganz umsonst ging 7 Jahre später die weltliche Herrschaft an den Grafen von Ratzeburg bestimmt auch nicht über die Bühne. Vor allen Dingen der Bischof Isfried war einer von den ganz Cleveren. Da stand dann nämlich, dass auch bei einer Vermehrung der künftigen Einnahmen, diese allesamt an den Bischof gehen sollten. Und: Wer das Kapitel (Domkapitel) in seinem Besitz stört, ist verflucht und soll der ewigen Verdammnis anheimfallen. Schöner können es unsere derzeitigen Berliner Feudalherren auch nicht ´rüberbringen..

Der Name Hagenow geht wohl auf eine Zusammensetzung des germanischen Hagen und Aue zurück. Also sinngemäß eingezäuntes Wiesenland. Und tatsächlich gab es anstelle einer Stadtmauer immer nur Zäune. Im Mittelalter brannte die Stadt gleich dreimal ab und nicht vergessen sollte man (bei diesem christlichen geprägten Stadtwappen), dass auch hier eine weitaus größere Anzahl von Hexenprozessen geführt wurden, als man sich bei so einem kleine Ort vorstellen kann. Eine entsprechende Statistik mit Namensnennung der Deliquenten ist im Internet einsehbar..

So um 1760 siedelten sich auch Juden hier an und errichteten eine Synagoge. Diese wurde beim Progrom 1938 geschändet, aber vor dem Niederbrennen bewahrt. Wohl weil die unmittelbare Nachbarschaft Angst um ihre eigenen Häuser hatte. Bis 2000 diente die Synagoge als Lagerhalle, wurde aber dann saniert und ist heute ein kultureller Treffpunkt. Da bei unserem Besuch geschlossen, ist ein Wiederbesuch geplant.

Die Stadtkirche im neugotischen Stil wurde 1879 nach 4 jähriger Bauzeit geweiht, als Ersatz für einen Vorgängerbau, der noch aus Feldsteinmauerwerk zusammengesetzt war. Die Weltkriege überstand die Kirche zwar nahezu unversehrt, aber die Glocke war nach dem zweiten plötzlich verschwunden. In den Kriegswirren landete sie entweder auf dem Hamburger Glockenfriedhof oder war Startkapital für einen ganz bösen Menschen..

Die komplette Altstadt ist sauber restauriert und gepflegt. Backstein dominiert natürlich hier in dieser Gegend. Und man findet auch das angeblich kleinste Haus Mecklenburgs hier (das mit den blauen Balken).

„Stelln´s sik blo vor..! – so beginnt die Tratscherei in platt. Und in diesem Ton wird die Händlerin Püttelkow (aus dem Lied Fru Püttelkow ut Hagenow) beim Wasserholen der Dienstmagd Sophie (Fiek´n) den neuesten Klatsch ins Ohr geflüstert haben. Da musste der Schusterjunge ganz schön seine Ohren spitzen um alles mitzubekommen. Der Schusterjunge zeugt übrigens noch von der ehemaligen Schuhmacher Zunft in diesem Ort. Hier gab es einstmals rund 165 Schustermeister. Der abgebildete Brunnen wurde 2007 errichtet, aber tatsächlich stand auf dem Platz vor dem Rathaus bis 1809 der ehemalige Stadtbrunnen.

Und Tratschweiber gab es doch schon immer und überall..

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