Parchim – Frankfurt am Main 620 km

In Rot ein hersehender schwarzer Stierkopf mit schwarzen Hörnern, um die je drei goldene Binden geschlungen sind und eine goldene Krone, die fünf, abwechselnd mit Lilien und Perlen besteckte Zinken zeigt; zwischen den Hörnern, aus dem Stierkopf aufwachsend, die vierendigen Stangen eines goldenen Hirschgeweihs. Der Stierkopf ist beseitet: in Höhe des Kronenreifs von zwei sechsstrahligen goldenen Sternen, darunter von zwei, mit Blättern schräg nach außen gekehrten grünen Kleestängeln. Uff,das muß man sich erst einmal auf der Zunge zergehen lassen. Die Blasonierung des Parchinger Stadtwappens.

Es gibt drei Versionen zu dem Orstnamen der an der Wasserstraße Müritz/Eide gelegenen Stadt. Die vornehme deutet auf den Sonnengott Parchom (altpolabische Schreibweise) und die weniger vornehme meint (altpolabisch und dann polnisch, niedersorbisch übersetzt Räude oder Wüste Feldmark. Die neueste und freundlichste lautet: PÜTT und meint damit wohl den See an dem die Stadt liegt.

Es war König Friedrich I, besser bekannt unter dem Namen Barbarossa, der Parchim 1170 das erste Mal in einer Urkunde erwähnte. In Frankfurt am Main und gerade zum König gewählt, machte er sich mit der Vergrößerung seines, bezw. des Hl. Römischen Reiches Deutscher Nation ja einen Namen. Und warum wohl, hat er hier in Frankfurt das entlegene Parchim erwähnt, und wo? Ich gehe davon aus, dass es sich bei der Urkunde um so eine Art Steuerbescheid handelt. Um persönlich abzukassieren war ihm das Reisen damals vielleicht zu beschwerlich. Obwohl er im Rahmen seiner Kriegsführungen dann doch des Öfteren auf Reisen ging. Das Auto war noch lange nicht erfunden und vom Fliegen konnte man erst recht nur träumen, da wären es rund 200 km weniger gewesen..

Die Stadt hat so Einiges hinter sich. Erlebt und überlebt. Wie im Mittelalter üblich, natürlich etliche Kriege. Das waren ja auch Zeiten, da ist ja heute alles nur ein Zuckerschlecken. Jeder Provinzfürst stritt sich mit seinem Nachbarn. Die Welfen und die Staufer z.B., da kann man nur auf Hessisch sagen „Pack hächt sich, Pack verträcht sich„. Da sind ja unsere derzeitigen Volksparteien direkt auf Schmusekurs. Der dann schlimmte Krieg war wohl der 30 Jährige, der reduzierte auch die Einwohnerzahl von ca. 5.000 auf 1.500. Dann noch die 25 Jahre andauerne Pest von 1604 bis 1629. Von den Altstadtbränden gar nicht erst zu reden.

St. Georgen und Marienkirche stammen aus dem 13. Jhd. und in letzterer wurde (für Anhänger des Militarismus) Generalfeldmarschall Helmuth von Moltke getauft. Und es gibt heute noch den Moltkeplatz (genau da findet man heute meist auch noch einen Parkplatz) und natürlich auch ein Denkmal für diesen Herren.

Vorher (ca. 1806) gab es aber noch die Herrschaft Napoleons und seiner Söldnertruppen über diese strategisch wichtig gelegene Stadt und es brauchte noch ein paar Befreiungskriege..

Die beiden Weltkriege überstand die Stadt ohne nennenswerte Zerstörungen. Und so stehen heute auch über 480 Gebäude unter Denkmalschutz.

Von vergangener Zeit zeugen noch ein paar „Lost Places“, wie diese alte Mühle am Hafen. Schon ein klassisches Industriedenkmal und mit einem Kunstwerk „Der Zeitformer“ von Benjamin Schubert 1993 in Szene gesetzt.

Ein kleiner Ausflug noch in die Kunstwelt Parchims. Da wurden anlässlich der Bundesgartenschau 2009 schnell noch einige Skulpturen in der Stadt placiert. So auch die Courage Kore und die drei Stelen von Wieland Schmiedel oder auch Brunnen und Wasserspiel „Weib auf Stierkopf“ des Berliner Bildhauers Michael Mohns. Der Brunnen wurde wohl mit der heissen Nadel gestrickt, bezw. angefertigt. Das Teil ist heute schon so marode, dass gerade eine Neuanfertigung für läppische € 180.000 angedacht ist..

Geradezu idyllisch geht es derzeit noch am kleinen Hafen zu. Hier an der Müritz – Eide Wasserstrasse ist eine großzügige Anlage zur Wasserrast entstanden. Im Sommer ist da bestimmt etwas mehr Betrieb.

Bis dahin (ca. 50 km von Schwerin, aber 65 km von meinem Bootsschuppen entfernt), sollte es auch meine Neringa schaffen – hoffen wir also auf einen Sommer mit genügend Wasser in See und Kanälen..

4 Kommentare

    • Seit dem 13. Jhd. zieren die Ossenkoepp die mecklenburgischen Wappen. Nicht unbedingt weil die Leute so starrsinnig wie Ochsen sind, sondern als Symbol für Kraft und Stärke. Da gibt es im Landesarchiv MV einen ganz tollen Beitrag – habe ich auch erst googeln müssen. ☺️☺️

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