Neustadt-Glewe

Den alten „Mann in Rot, mit natürlicher Gesichtsfarbe und silberweißem Haar und Bart. Am Hals der blaue Gewandsaum und besäumt mit 5 golden Röschen belegt, beseitet von zwei aufrechten goldene Schlüsseln mit abgewendetem Bart“. Den habe ich, allerdings nur in Stempelfarbe, seit eineinhalb Jahren auf einer Urkunde..

-ausgestellt in diesem schönen 1806 erbauten Rathaus


Als Nova Civiras wurde Neustadt-Glewe das erst Mal 1248 urkundlich erwähnt. Irgendwann im 19. Jhd. fand man auf auf dem, nach der Eiszeit durch Gletscherwasser freigegebenen Umland, sogar Spuren menschlicher Anwesenheit aus der Steinzeit. Allerdings nur spärliche und man forschte nicht weiter.

Die Geschichte der Stadt ist so ziemlich gleich derer von Wittenburg oder Gadebusch. Liegt ja alles recht dicht beieinander. Der Sachsen- und Bayernherzog Heinrich der Löwe besiegte, hier in der Gegend, die Obotriten und setzt Lehnsmänner zur militärischen Sicherung und Verwaltung ein. Dazu baute er an diesem südöstlichen Zipfel der Grafschaft Schwerin eine Burg.

Der Bau war wichtig, denn in diesen Zeiten gab es hier öfters Differenzen zwischen weltlichen und kirchlichen Interessen: Zwischen der Grafschaft Danneberg und den Bistümern Havelberg und Ratzeburg. Die wurden stets mit bewaffneten Übergriffen ausgetragen. Von wegen „die andere Wange hinhalten..“ Bei uns nicht !

Diese alte Burg, eine der ältesten in Mecklenburg erhaltenen Wehrburgen, ist das Wahrzeichen der Stadt. Man sagt, sie sei auch das älteste Gebäude. Schwer zu glauben, bei dem total überrestaurierten Gemäuer. Als Gipfel des Unsinns gibt es sogar, in der Steintreppe im Turm, eingelassene Spotlights. Kitsch sell´s.

Hauptzweck, der mit hohem Aufwand restaurierten Burg, ist die Gastronomie. Das kleine Museum hat wohl Alibifunktion für die geflossenen EU Beihilfen.

Die Altstadt hat sich fein herausgeputzt. Bei einem Rundgang erfreut man sich nicht nur am Anblick der alten Fachwerkhäuschen, sondern findet auch so lustige Straßennamen wie Rosmarin- oder Petersilienstrasse. War wohl eine Gegend mit überwiegen Gartenbau. Von wegen. Hier gab es schon im Mittelalter eine Eisenschmelzhütte, Eisenschmiede, Gießerei, Nagel- und Hammerschmiede, Walk- und Papiermühlen, Gerbereien, Pulver-, Korn- und Sägemühlen. Da blühte die Stadt. Dummerweise wurden aber für diese Industrie die Wälder im Umland fast komplett abgeholzt. So musste die letzte Eisenschmelze 1717 wegen Holzmangels schließen. So viel zur Nachhaltigkeit.

1911 wurde ein Lederwerk gegründet und das E-Werk nahm seinen Betrieb auf. Um 1938 einstand ein Fliegerhorst und eine NS Fliegerschule. Um 1942 wurden hier in einem Nebenbetrieb der Dornier Werke, Teile für das Jagdflugzeuge FW 190 gebaut. 1944 das KZ Neustadt-Glewe. Die, überwiegen weiblichen, Inhaftierten mussten Zwangsarbeit für die Flugzeugproduktion leisten. Viele überlebten nicht. Die Rote Armee befreite das Lager 1945

Die Marienkirche (in einer evangelischen Gemeinde ?, da muss ich mich ‚mal schlau machen..), im Stadtkern ist ein frühgotisches, turmloses (!) und einschiffiges Backsteinbauwerk. Die Kirchenglocke befinden sich in dem im 18 Jhd. errichteten Fachwerk-Nebengebäude (mit den grünen Schallöffnungen. ) Das Innere konnten wir nicht betreten – verschlossen, wie gewohnt..

Das Schloss liegt direkt an einem Seitenarm der Elde. Es steht auf morastigem Grund und deshalb auf hunderten von Eichenpfählen. Die Bauzeit betrug, nicht zuletzt durch den Tod des Baumeisters im Jahr 1629 bedingt, rund 100 Jahre und hat einige Herzöge und Edelleute überlebt. Nun ja, für den (zugegeben etwas voluminöseren) Kölner Dom brauchte es ja sogar 630 – aber das kann von BER noch getopt werden..

Nach dem 2. Weltkrieg wurden die Räume für Flüchtlinge und Ausgebombte zur Verfügung gestellt. Später, zu DDR Zeiten, wurde im Schloss unterrichtet. Es gab dort eine Bibliothek und auch eine Mittagsküche für Werktätige und Schüler.

Heute ist es das Schloss Hotel Neustadt-Glewe und das Publikum hat sich gewandelt..

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