RERIK – bis 1938 Alt Gaarz..

„In Rot eine dreimastige goldene Kogge mit je einem Kastell auf dem Vorder- und Achterdeck. die Masten mit geblähten Segeln, Mastkörbchen und Krönchen auf den Spitzen, der Hauptmast mit langem Wimpel“ – so das an die Tradition der Seefahrer erinnernde Wappen von Rerik.

Vor 10 Jahren waren wir das erste Mal in diesem, damals verträumten und eigentlich unscheinbaren Dorf bei Wustrow am Salzhaff. Es gab hier kaum Neubauten und die Uferpromenade war nur im Ansatz erkennbar.

Das Dorf wurde 1230 erstmals urkundlich erwähnt. Im Mittelalter war es recht wohlhabend. Fischerei, Seefahrt und Landwirtschaft brachten Geld in die Kasse. Zur Jahrhundertwende entstand auch hier ein wenig Badebetrieb.

Wustrow – Lost Place

Eine Blütezeit, die wir bitte nicht mehr erleben wollen, gab es in den Jahren des 2. Weltkriegs. Da wurde erst einmal der an die slawische Vergangenheit erinnernde Ortsname Alt Gaarz (Alte Burg) in den, des in der Nähe vermuteten wikingischen Handelsplatzes Reric umgeändert.

Hitler empfing hier, Mussolini, um ihm mit der, auf der Halbinsel Wustrow befindlichen, größten FLAK Schule zu imponieren. Der spätere Bundeskanzler, Helmut Schmidt, bildete hier 1943 Flaksoldaten aus. Auf dem Gelände befand sich eine richtige Stadt mit Kaufhaus, Kino, Krankenhaus, ca. 100 Einfamilienhäusern und diversen Gemeinschaftsunterkünften. Natürlich auch einem Flugplatz mit Tower.

Am 2. Mai 1945 zogen dann kampflos die Sowjets ein. Ob U-Boot Stationierung oder was auch immer – was Genaues ist unbekannt. Bei unserem ersten Besuch hielt uns ein Schild Vorsicht Lebensgefahr, Betreten verboten auf. Das steht heute noch. Durch den Zaun konnte man einige verfallenen Gebäude erkennen. Munition wird heute immer noch regelmäßig am Strand angespült und sorgt für zeitweilige Sperrung. des Uferbereiches.

Der Stein auf der Uferpromenade, mit seinen Einschnitten, ermöglicht durch einfaches Anschlagen mit der Hand Klänge hervorzubringen. Praktisch, das erspart eine Konzertmuschel..

Als 1993 die militärische Nutzung endete verließen die russische Soldaten die Halbinsel. Die Bundesrepublik war der neue Eigentümer und bot gleich die ganze Halbinsel zum Verkauf an. Für gerade ´mal ca. 7,5 Millionen kaufte die dann auch sofort der westdeutsche Privatmann Anno August Jagdfeld. Geplant hatte der neue Eigentümer, eine Art Heiligendamm modern mit Reiterhof, Golfplatz incl. Golfhotel und natürlich einer Marina für 240 Boote, zu errichten. Die Pläne gingen bis heute nicht auf, aus Angst vor einem kommenden Verkehrschaos und wohl auch unter Druck der protestierenden ortsansässigen Bürger, sperrten die Stadtvertreter die einzige Zufahrtstraße. Seither beschäftigen sich die Gerichte mit der Angelegenheit. Ende offen..

Rerik ist nicht mehr das verträumte Dorf, das wir damals vorfanden. Gab es da nur eine Hand voll Neubauten, so hat sich das gewaltig geändert. Und auch ohne die Öffnung und Bebauung der „verbotenen Stadt“, ist im Sommer hier dermaßen Betrieb, dass wir vor ein paar Monaten gar nicht erst versuchten einen Parkplatz zu ergattern – ein Lottogewinn wäre wahrscheinlicher gewesen. Jetzt, nach Saisonende spürt man aber immer noch den Reiz eines netten Ferienortes. Nicht ganz so glattgebügelt wie Kühlungsborn..

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