„gesamtdeutsch“

Glückwunsch – an wen überhaupt?

An einem 30. Geburtstag, sollte man – wie an allen anderen natürlich auch – nicht jammern,sondern Feiern. Wir feiern also heute – was eigentlich, ach so den Tag der Deutschen Einheit.

Also den Einigungsvertrag. Als wären wir kleinen Leute uns je uneinig gewesen. Wir waren nicht uneinig, sondern getrennt. Von Oben, nicht aus eigenem Willen. Warum auch. Früher feierten wir (im Westen) den genannten Tag am 17. Juni (bis 1990), als Erinnerung an den Volksaufstand in der DDR 1953 – mit gleichen Ritualen: Festreden, Selbstbeweihräucherungen, leeren Floskeln und Aufrufen von „denen da oben“ und Grillfesten und Vergnügungen bei „denen da unten.“ An den Einzelnen jedoch, der Gesundheit oder gar Leben lass, wurde da etwas weniger erinnert. Der ging in der Masse der Festivitäten unter..

Meine eigenen Kämpfe gegen die Ostzone waren anderer Natur. Die spielten sich entweder auf der Strasse oder einer Radrennbahn ab – oh ja, da jagte ich, stets erfolgreich, meine Gegner aus dem sozialistischen Osten vor mir her ..

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Von all diesen Symbolen gefallen mir noch heute am besten die „Olympiaflagge“ der gesamtdeutschen Mannschaften von 1960 und 1964 und die gesamtdeutsche „Ode an die Freude“, anstelle der Nationalhymne(n). Letztere brachte mir, ansonst absolut unmusikalisch, Beethoven´s 9. wieder ins Bewusstsein.

Mehr als die Vergangenheit interessiert mich die Zukunft, in ihr gedenke ich zu leben (Albert Einstein)

Auch wenn die, jetzt gemeinsame, Zukunft vor dreißig Jahren begonnen hat, so ganz rosig wie uns manche erzählen, wird ist sie nicht werden. Das war aber schon immer so: Schon 1844, also hundert Jahre vor meiner Geburt, schrieb Heinrich Heine „Denk ich an Deutschland in der Nacht, so bin ich um den Schlaf gebracht“.

Ob der von Klima Gretel und ihren Hanseln vorausgesagte, und fast herbeigesehnte, Weltuntergang in dreißig Jahren stattfindenden wird, und der dann auch wirklich bei uns in Deutschland beginnt (sollte er aber, wir schreien ihn ja am meisten herbei und zahlen wohl auch das meiste dafür), werde ich nicht mehr erleben. Den von den Zeugen Jehovas vorausgesagte Stichtag 30. Mai haben wir immerhin ja alle glücklich überstanden.

Leben in „Dunkeldeutschland“

Das im Titel genannte Fast Unwort des Jahres 1994 war im Ursprung niemals als Beleidigung gedacht. Wenn wir, im Westen, eigentlich unbewusst (die Talibans der korrekten Ausdrucksweise gab es damals noch nicht) auch tatsächlich eine gewisse Überheblichkeit damit zum Ausdruck brachten. Es ging zuerst nämlich nur um die Verwunderung, dass es in der Ostzone (inzwischen wohl auch ein Schimpfwort) nicht so viele helle Städtebeleuchtungen und vor allen Dingen Werbetafeln, wie im Westen gab. Dunkeldeutschland erhielt eigentlich erst in den 90er Jahren die heutige total abwertende Bedeutung und wird gleichgesetzt für Extremismus, explizit natürlich Rechtsextreme, Hetzer und und und..

Und wenn Gauck doch besser geschwiegen hätte.. 2015 bei seiner Rede zur Flüchtlingskrise. All das Negative ist k e i n ostdeutsches Phänomen. Genügend Beispiele bekommen wir ja täglich serviert.

Zur Verwunderung manch unserer Freunde und Bekannten, haben wir uns erst vor kurzer Zeit entschlossen Dunkeldeutschland als Wohnsitz zu wählen. Aufgrund der herrlichen Landschaften (da fällt mir Helmut Kohls Spruch natürlich ein, aber für die Landschaft als solche, hat er nichts beigetragen, die verdanken wir „dem da Oben, wenn`s ihn denn gibt..“).

Wer es jetzt immer noch nicht glaubt, dem können wir nur einen Blick auf meine Seekarte empfehlen (gleich über dem Anker). Wir sind angekommen – im Paradies! In unserem. Im Gegensatz zu Meinungen all derer, die über vieles reden, ohne es zu kennen, sind die Menschen hier im Osten nicht von ihren Artgenossen im Westen zu unterscheiden. Menschen eben, wie wir alle. Da lasse ich mich gerne `mal freundlich als Wessi titulieren. So wie wir, in meiner alten Heimat, die zu uns Hinzugezogenen Ossis nannten. Ohne Bösartigkeit. Erstaunlicherweise sind es aber nur noch die Älteren, von denen solche Bezeichnungen noch kommen.. Die Jungen interessiert so etwas nicht wirklich. Und auch das ist gut so.

Nicht nur „der Osten ist rot“(einst chinesisches Loblied auf Mao), der Abend manchmal auch. Gutes Wetter bedeutet das. Und vielleicht eine gute Zukunft. Im Osten und im Westen. Also gesamtdeutsch.

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