Kap Arkona – nicht nur Natur

Auch wenn die Landschaft auf diesem Bild recht idyllisch wirkt – und an einigen Stellen auch noch so ist:

Am MUß-Parkplatz des kleinen Ostseedorfes Putgarten angekommen (hier beginnt die „Autofreiheit“, nur Anlieger dürfen weiterfahren), wähnt man sich auf dem Parkplatz eines Fußballstadions, kurz vor dem Anpfiff. Ein paar Quadrat km Feld sind hier für die jährlich rund 800.000 Besucher reserviert. Seltsamerweise verzeichnet die Gegend um Rügens Kreidefelsen nur 270.000 (Information aus 2017). Obwohl diese, meiner bescheidenden Meinung nach, eigentlich sehenswerter ist.

Und am Parkplatz beginnt dann auch gleich Tourismus pur. Die ersten Andenkenläden und Verköstigungsbuden, gleich neben dem Bahnhof für den, mit Bahn oder Kutsche möglichen, emissionsfreien Weitertransport.

Der Fußweg und gleichzeitig Strasse für Anwohner, führt (wie sollte es auch anders sein) erst einmal durch das Dorf mit weiteren Andenken- und Kunstläden. Für hartgesottene Touristen gibt es dann auch noch einen „Erlebnishof“, in dem Handwerker und Künstler live arbeiten. Dort werden dann auch deren Produkte (Werke natürlich..) auch gleich verkauft und ebenso die Erzeugnisse der hauseigenen Landwirtschaft. Eine Gastronomie ist selbstverständlich integriert. Wie überhaupt das Angebot an Lokalen in dem kleinen Ort so ein wenig an die berühmt, berüchtigte Schinkenstraße einer anderen Insel ähnelt..

Wer gerade am Vortag, wenn auch manchmal nörgelnd, den Königstuhl erwanderte, begibt sich da jetzt ganz locker auf den ausgeschilderten Wanderweg.

An den drei Türmen (zwei Leuchttürme und ein Beobachtungsturm) angekommen, die vielleicht besser als mahnende Zeigefinger gedeutet werden sollten, ist für den militärisch Uninteressierten eigentlich nichts besonderes zu sehen. Ein paar aus dem Wasser geholte Bojen und ein im Gebüsch verrottender Ex Seenotkreuzer weisen auf die maritime Bedeutung des Kaps hin. Wobei man das Kap vielleicht eher vom Wasser aus als solches erkennen kann. Der Ausblick vom Land aus lässt die vorhandene Steilküste eigentlich nur vermuten.

Eine Besichtigung der, schon im ersten Weltkrieg angelegten, Bunkeranlagen ersparte ich mir ebenso, wie die den, der erst zu DDR Zeiten angelegten, neueren Versionen. Bunker haben für mich, auch wenn sie als Museum angelegt sind, etwas Beklemmendes. Da kommen Erinnerung an meine Nachkriegs-Jugendzeit. Da waren Bunker und Trümmer unser Spielplatz. Auch „Luftschutzkeller“, eigentlich ganz normale Hauskeller, die durch in die Haus-Seitenwände gebrochenen Öffnungen mit abschottenden, und mit Hebeln bedienten Feuerschutztüren verbunden waren und so ganze Straßenzüge unterirdisch verbanden. Und selbst wenn ein Museum integriert ist, die Ängste und das Grauen der hier Geflüchteten sind auch nach Jahrzehnten noch allgegenwärtig. Davon allerdings ist die Anlage am Kap Arkona befreit. Meines Wissens gab es da keine nennenswerten Vorfälle und bei den Nachkriegsbauten, bei denen die Widerstandskraft gegenüber einem Bombenangriffe infrage gestellt wurde, musste dieses glücklicherweise nicht getestet werden.

Was mir an diesem Kap fehlte, war das Gefühl von Weite. Oh je, ich soll ja nicht vergleichen: Nicht nur am Nordkap, auch am Cap Formentor, ebenfalls auf einer Insel, hatte man das Gefühl am Rande des Kontinents zu stehen (wobei Mallorca nun wirklich kein Kontinent ist..). Oder an Tahkuna, der nördlichsten Spitze Estlands, auch auf dessen Insel Saaremaa – einfach alles beeindruckender. Vergleichbar mit dem Blick von einem Gipfel in den von mir früher favorisierten Alpenregionen.

Wofür das Kap nun ‚mal gar nichts kann, ist dessen Name. Der kommt irgendwie aus dem Griechischen, ließ ich mir sagen.

Auch ein Luxusdampfer der ehemaligen Hamburg – Südamerika Linie trug diesen Namen und wer schon einmal auf der Insel Poel, ganz in der Nähe Wismars, am Denkmal „des Untergangs der Cap Arcona“ stand, weiß was ich meine.

Diese als “ Schiffskatastrophe“ verniedlichte, Tragödie war nicht nur ein besonders folgenschwerer Irrtum der Briten, sondern m.E. Massenmord an rund 7.000 ehemaligen KZ -Häftlingen, die gerade einen Todesmarsch hinter sich hatten und sich jetzt endlich in Freiheit wähnten. Wer die Bombardierung des Passagierschiffes überlebte, wurde von den britischen Jagdfliegern, die aus purer Mordlust auf die im Wasser treibenden Überlebenden schossen, ermordet. Das erinnert an die Erzählungen meiner Eltern, die eine gleiche Lust am gezielten Töten bei den amerikanischen Jagdfliegern beobachten mussten: Tieffliegerangriffe, auf freiem Feld auf Zivilisten, waren da genau so gefürchtet wie die Terror Bombenangriffe auf meine Heimatstadt Frankfurt am Main.

Wie bereits erwähnt, es ist nur der Name. Kap Arkona hat mit diesen Verbrechen nichts zu tun.

Nach dem Rundgang am (geographisch nicht ganz korrekt angegeben) nördlichsten Punkt Deutschlands, gönnten wir uns für die Rückfahrt dann auch das Bimmelbähnchen.

Mit dem Auto zur Wittower Fähre über den Breetzer Bodden, zurück nach Bergen und schon am nächsten Morgen war Rügen Vergangenheit

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