Auf „weissem Gold“ gewandert

auf zum Königstuhl !

Die erste Hürde war überwunden. In sämtlichen Ablagen unseres Autos und allen Jackentaschen fanden wir dann endlich die einzelnen 1 EURO Stücke um den Park- Automaten zufrieden zu stellen. Und trotz etwas verwirrender Beschilderung fanden wir dann auch den Einstieg zu dem wohl beliebtesten Wanderweg der ganzen Insel.

Da ging es dann zunächst etwas langweilig zur Sache: Auf einer breiten Naturstrasse, (auf der ein reger Verkehr mit fast antiken und entsprechend Abgas ausstoßenden Hanomag Touristenbusssen herrscht) durch den Wald, zu einem überrestaurierten Gebäude in dessen Nähe angeblich der unvergessene Klaus Störtebeker seine Schätze vergrub. Deshalb der Name dieses Ortes Piratenschlucht – von beidem war nichts zu erkennen. Störtebeker hat ja schon vor langer Zeit sein unrühmliches Ende gefunden, aber eine Schlucht hatte ich mir doch anders vorgestellt.

Da hatte für mich ja das vorher passierte Großsteingrab mehr Ausstrahlung. Diese für solche Grabanlagen benutzten Findlinge sind so ungefähr 3- 5.000 Jahre alt..

Es war mein Fehler, die Beschreibung der Wanderung vorher nicht ganz genau durchzulesen. Da heißt es: Die Wanderung durch die wilde Natur der Stubnitz gehört nicht zu den ganz leichten, durch zahlreiche Schluchten und über Bäche geht es oft auf und ab. Ich Narr hatte das Wörtchen „nicht“ ganz einfach überlesen. Da kamen meiner bedauernswerten und sich der Stille der Natur erfreuenden Gattin und Mitwanderin dann schon einmal ein paar, auf mich selbst gemünzte, Verwünschungen zu Ohren..

Glücklicherweise erleichterten dann ein paar ordentlich und luxuriös mit Handlauf versehene Holztreppen hin und wieder das Passieren der nun wirklich vorhandenen Schluchten.

Und dann auch endlich der Lohn für all meine nicht mehr altersgerechten Strapazen: Die Aussicht auf das Meer und die Kreidefelsen. Kreide, eigentlich nur ein feinkörniger Kalkstein. Hier an der Kliffküste als Touristenattraktion und ein paar km weiter als weißes Gold in Steinbrüchen und Tagebau industriell gefördert und geschlämmt.

Und dann der Blick von der Victoria Sicht auf den Königsstuhl. Dieses Fotomotiv ist so begehrt und wird natürlich auch von den vielen „Nichtwanderern“ (man kann ja mit dem Bus bis kurz vor das angestrebte Ziel gelangen..) entsprechend frequentiert, dass man auf der Aussichtsplattform so ungefähr 30 Sekunden Zeit für eine Aufnahme hat.

Oben angekommen ist entweder Der Weg das Ziel oder man lässt sich von den geldgierigen Managern der ansässigen Tourismusindustrie neppen: Um einen „Gipfelschnaps“, Bier oder Cola zu trinken, vielleicht sogar die Toilette zu benutzen, sind erst einmal € 9,50 Eintritt für den, evtl. auch aus Zeitmangel gar nicht vorgesehenen, Besuch eines Informationszentrums fällig. Und ob es die 412 Stufen zum Strand überhaupt noch gibt entzieht sich meiner Kenntnis. Diese waren eine zeit lang aus Sicherheitsgründen gesperrt und befinden/befanden (?) sich nämlich auch im Infogelände. Geplant, aber noch nicht durch alle Instanzen, ist jetzt auch noch eine Art Glaskuppel um noch mehr Besucher anzulocken. Natur pur!

Schon lange nicht mehr über den mühseligen Weg meckernd, hätte ich mich jetzt ja über meine eigene Leistung freuen sollen. Und zwei Drinks für so ca. € 25 bis 26 (da ist das, in unserem Fall unnütz verschwendete, Eintrittsgeld mit eingerechnet) hätten uns auch nicht zur Aufnahme einer Hypothek für unser Haus genötigt – doch schon aus Prinzip lasse ich mich nicht gerne „über den Tisch ziehen“.

Ein richtiges AHA Erlebnis war diese Wanderung nicht. Ich überlege immer noch, ob es nur an dem ernüchternden Abschluss lag. Vielleicht hatte ich auch eine überzogene Erwartungshaltung. Bislang kannte ich ja nur das, oder die, Bilder des Caspar David Friedrich. Doch so richtig gefallen haben die mir eigentlich nie – da stehe ich, als Ex Frankfurter, aber nicht alleine: auch Goethe, ebenfalls ein Sohn Frankfurts, fand dessen Kunst nicht so berauschend und das muss er dem Maler bei einer Begegnung auch so gesagt haben. Getroffen haben sich die beiden dann nicht mehr..

Vielleicht man hat einfach schon zu viel gesehen: „Die weißen Klippen von Dover“ (There ´ll be bluebirds over the white cliffs of Dover, tommorow, just you wait and see – der melancholische Song aus dem 2. Weltkrieg, vorgetragen zuerst wohl von Vera Lynn und dann von vielen Größen ihres Fachs, klingelt heute noch in meinen Ohren.. Noch eindrucksvoller fand ich „The Cliffs of Moher“ die bekanntesten Steilklippen Irlands. Und dann natürlich auch das „Nordkap“. Es ist eigentlich nicht meine Art Vergleiche zu ziehen, letztendlich liegt Schönheit im Auge des Betrachters und was dem einen großartig erscheint ist für den anderen banal. Die Kreidefelsen von Rügen haben ja auch etwas..

Mit einem Shuttle ging es so ca. 4 km zu einem Parkplatz für „Wanderer light“ – da befinden sich auch ein paar Imbissbuden und ich kam zum wohlverdienten Ziel Bier. Eine reguläre Buslinie führt von hier nach Sassnitz, zu dem Abstellort unseres Fahrzeuges.

Ein verlorener Tag war der Ausflug nicht!

2 Kommentare

  1. Na, man muss da nicht unbedingt rein, aber als ich (vor Jahren) zuletzt im Nationalparkinfozentrum war, fand ich die Ausstellung interessant. Ich weiß aber auch nicht (mehr), wieviel der Eintritt damals kostete und wie das Infozentrum heute so bestückt ist. – PS: Da fehlt doch was am Schluss?

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    • Hatte kurzzeitig keine Internetverbindung, müsste jetzt komplett sein. Und in das Info Zentrum konnten wir schon aus Zeitgründen nicht, wir kamen direkt vom Darss nach Sassnitz und mußten bis 18:00 in Bergen einchecken..

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